Freitag, 03. September 2010
Angriffe gegen religiöse Minderheiten: Anschläge erschüttern Pakistan
Während die Menschen in den Flutgebieten weiter auf Hilfe warten, greifen Extremisten eine schiitische Solidaritätskundgebung für Palästinenser an. Es gibt viele Tote.Ein Selbstmordattentäter hat in Pakistan ein Blutbad unter Schiiten angerichtet. Bei dem Anschlag in der Stadt Quetta im Südwesten Pakistans wurden mindestens 60 Menschen getötet.
Wie die Polizei mitteilte, wurden mehr als 100 weitere Menschen verletzt, als sich der Täter in der Menge in die Luft sprengte. Den Angaben zufolge hatten sich tausende Schiiten versammelt, um anlässlich des sogenannten Al-Kuds-Tages gegen Israel und die Besetzung der palästinischen Gebiete zu protestieren.
Kurz zuvor bekannten sich die radikal-islamischen Taliban zu der Anschlagserie vom Mittwoch auf eine schiitische Prozession in Lahore, bei der 33 Menschen starben. Ein Mensch wurde außerdem am Freitag bei einem weiteren Selbstmordanschlag im Nordwesten getötet.
Flut und Destabilisierung
Experten vermuten, dass die Islamisten mit solchen Angriffen gezielt die wegen der Überschwemmungen ohnehin in Bedrängnis geratene pakistanische Regierung destabilisieren wollen. Große Teile der Bevölkerung klagen über mangelnde Hilfe und fühlen sich von den Politikern im Kampf gegen die Fluten im Stich gelassen. Nun dürfte auch Kritik neu aufflammen, dass die Regierung nicht für ausreichend Sicherheit im Land sorgen kann.
"Leider werden die Überschwemmungen in Pakistan wahrscheinlich auch die Einsätze der pakistanischen Armee in Nord-Waziristan für einige Zeit verzögern", sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates bei einem Truppenbesuch im Nachbarland Afghanistan. Die Amerikaner sehen Pakistans Nordwesten als Rückzugsgebiet der Taliban, die von dort aus Anschläge in Afghanistan vorbereiten. Sie drängen die pakistanische Regierung deshalb zum verstärkten militärischen Vorgehen gegen die Extremisten in dem schwer zugänglichen, gebirgigen Gebiet.
Die Lage in Pakistan spitzt sich damit an mehreren Fronten zu. Neben den Gewaltausbrüchen leiden die Menschen nach wie vor unter der Flut und den damit einhergehenden Folgen. Unzählige sind obdachlos, krank und völlig entkräftet, weil sie zu wenig zu essen und trinken haben. Die Regierung schätzt die Schäden auf 43 Milliarden Dollar, damit droht auch eine Wirtschaftskatastrophe.
rts/dpa
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