Obama darf hoffenPalin kokettiert mit Kandidatur

Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin Palin schließt nicht aus, ins nächste Rennen um das Weiße Haus einzusteigen. Ein Sprecher von US-Präsident Obama lobt Palin als "beeindruckende Kraft" - doch das Lob ist vergiftet: Radikale wie Palin lassen Obamas Demokraten hoffen, bei den anstehenden Kongresswahlen doch noch eine Chance zu haben.
Sarah Palin, Ex-Gouverneurin in Alaska, heizt die Spekulationen an: Will sie bei den Präsidentenwahlen 2012 antreten? "Wir werden uns unser Land zurückholen. Wir werden die Dinge umdrehen", sagte die 46-Jährige bei einer Rede im US-Bundesstaat Iowa.
Zwar äußerte sich die populistische Republikanerin, die bereits 2008 als Vizepräsidentschaftskandidatin antrat, bei ihrer Rede in der Iowa-Hauptstadt Des Moines nicht konkret zu ihrer politischen Zukunft. Doch allein die Tatsache, dass sie in Iowa auftrat, löste unter Insidern in Washington Spekulationen aus: Hier beginnt traditionell der Vorwahlkampf im Rennen um die Präsidentschaft.
Auch der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, äußerte sich zu dem Thema. Es sei die Zeit, in der Interessenten "den Finger in den Wind halten", meinte er und fügte hinzu, auch Präsident Barack Obama plane in Kürze einen Auftritt in Iowa. Obama hatte im Januar 2008 in Iowa seinen ersten Sieg bei den Vorwahlen errungen - ein Jahr später zog er ins Weiße Haus ein.
Gibbs sagte weiter, Palin sei eine "beeindruckende Kraft" innerhalb der republikanischen Partei.
"Linke Politik stoppen"
"Es sind die Wähler, die diese linke Politik stoppen werden", sagte Palin mit Blick auf Obama weiter. Zugleich rief sie ihre Partei zur Erneuerung auf.
Dem TV-Sender Fox News, für den Palin arbeitet, sagte sie, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen eine Kandidatur vorstellen könnte. "Wenn die amerikanische Bevölkerung bereit ist für jemanden, der gewillt ist, aufzumischen und zu bewährten Wahrheiten zurückzukehren", dann könne sie sich als Kandidatin sehen, sagte die Politikerin. "Wenn es das Beste für meine Familie und mein Land wäre, dann würde ich es natürlich probieren."
Palin gilt als Symbolfigur der ultra-konservativen "Tea Party"-Bewegung, die derzeit die republikanische Partei aufrollt. Kandidaten der "Tea Party", die für weniger Steuern, weniger Staat und vor allem gegen das Washington-Establishment antreten, haben in den vergangenen Wochen bei diversen Vorwahlen zu den Kongresswahlen im November triumphiert. Es gelang ihnen mehrfach, bekannte und bisher erfolgreiche Politiker aus dem Rennen zu werfen.
Radikale lassen Obama hoffen
Bei den Kongresswahlen am 2. November geht es um die parlamentarische Mehrheit Obamas. Die Demokraten befürchten zwar eine Niederlage, der Erfolg der "Tea Party" lässt sie aber auch neue Hoffnung schöpfen: Das Obama-Lager setzt darauf, dass die Republikaner mit den "Tea Party"-Kandidaten Schiffbruch erleiden und sich die demokratischen Kandidaten doch durchsetzen könnten.
Der Name "Tea Party" lehnt sich an die sogenannte Boston Tea Party von 1773 an, als die dortige Bevölkerung gegen die Steuerpolitik der Kolonialmacht Großbritannien aufbegehrte. Drei Jahre später erreichten die USA ihre Unabhängigkeit. Die heutige Bewegung ist so radikal, dass sie Obama für einen Sozialisten hält.