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Politik
Schrecklich nette Familie: Palin missbraucht Macht

Samstag, 11. Oktober 2008

Schrecklich nette Familie: Palin missbraucht Macht

Neuer Wirbel im US-Wahlkampf: Nach einem in Alaska veröffentlichten Untersuchungsbericht hat die republikanische US-Vizepräsidenten-Kandidatin Sarah Palin ihr Amt als Gouverneurin des Staates missbraucht. Ein vom Kongress in Alaska eingesetzter Ausschuss kam zu dem Schluss, dass Palin im Juni ihren Polizeichef zum Teil aus persönlicher Rachsucht entließ und damit das Vertrauen der Bürger verletzte. Auf Sanktionen oder strafrechtliche Ermittlungen wurde aber mit der Begründung verzichtet, dass eine Entlassung des Polizeichefs generell in der Befugnis der Gouverneurin gelegen habe.

Die Untersuchungen der mittlerweile als "Troopergate" bekannten Affäre hatten Wochen vor der Nominierung Palins als Nummer Zwei von Präsidentschaftskandidat John McCain Ende August begonnen. Palin selbst hatte zunächst ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Ausschuss erklärt, dies aber dann später mit der Begründung zurückgenommen, dass die Ermittlungen politisch "vergiftet" seien, da die Demokraten versuchten, daraus im Wahlkampf politisches Kapital zu schlagen.

Rechnung ohne die Schwägerin gemacht

Polizeichef Walter Monegan war im Juni entlassen worden, Palin zufolge hauptsächlich wegen Budgetstreitigkeiten. Monegan selbst erklärte jedoch, dass er das Opfer eines hässlichen Disputs innerhalb der Palin-Familie geworden sei. Nach eigenen Aussagen wurde er von Palin, deren Mann Todd und Mitarbeitern der Gouverneurin Dutzende Male indirekt, aber massiv unter Druck gesetzt, Palins Ex-Schwager, den Trooper (Polizisten) Mike Wooten, zu feuern. Wooten hatte sich von der Schwester der Gouverneurin scheiden lassen und sich danach mit ihr einen erbitterten Sorgerechtsstreit geliefert.

Persönliche Rachsucht

Dem Untersuchungsbericht zufolge sah es der Ausschuss aufgrund von Zeugenaussagen als erwiesen an, dass Monegan mindestens 19 Telefonanrufe von Palin, ihrem Mann und Mitarbeitern erhielt, in denen zumindest indirekt auf eine Entlassung Wootens gedrungen wurde. "Gouverneurin Palin ließ wissentlich eine Situation zu, in der unerlaubter Druck auf verschiedene Untergebene ausgeübt wurde, um ein persönliches Ziel zu verfolgen: die Entlassung von Trooper Michael Wooten", heißt es in dem Report. Beweise stützten die Schlussfolgerung, dass Palin zumindest durch "Untätigkeit, wenn nicht sogar durch aktive Beteiligung oder Unterstützung ihres Ehemannes" in einen "offiziellen Akt" verwickelt gewesen sei, der die Entlassung Wootens zum Ziel hatte.

McCain abgeschlagen

Der Skandal um Palin droht die Wahlchancen McCains weiter zu verringern. Einer neuen Umfrage zufolge liegt der demokratische Kandidat Barack Obama bereits elf Prozentpunkte vorne. In der Erhebung des Magazins "Newsweek" gaben 52 Prozent der Befragten an, bei der Wahl am 4. November für Obama stimmen zu wollen. 41 Prozent sagten, dass sie McCain als kommenden US-Präsidenten bevorzugen. Vor einem Monat hatten die beiden Rivalen in einer ähnlichen Umfrage noch mit jeweils 46 Prozent der Stimmen gleichauf gelegen.

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