"Schande und Demütigung"Papst geißelt Missbrauch

Papst Benedikt XVI. zeigt sich beschämt und findet klare Worte. Der Missbrauch von Kindern durch Priester sei ein "unbeschreibliches Verbrechen, sagt er bei seinem Besuch in London. Neben einer Heilung der Opfer sei nun auch die Läuterung der Kirche notwendig.
Papst Benedikt XVI. hat
den Missbrauch von Kindern als "unbeschreibliches Verbrechen" gegeißelt
und die Verfehlungen von katholischen Priestern tief bedauert. In seiner Predigt
in der Londoner Westminster Kathedrale sprach der Papst von dem ungeheuren
Leiden, "das durch den Missbrauch von Kindern verursacht wurde, besonders,
wenn es in der Kirche und durch ihre Diener geschah."
Gemeinsam mit den unschuldigen
Opfern gestehe er die Beschämung und Demütigung ein, "unter der wir alle wegen
der Sünden einer geringen Zahl von Priestern gelitten haben." Notwendig sei
neben einer Heilung der Opfer die Läuterung der Kirche. Benedikt dankte allen, die
das Problem verantwortungsvoll in Angriff genommen hätten.
Benedikt XVI. hatte schon zum Auftakt seines Besuchs am Donnerstag n der Kirchenführung im Umgang mit den Missbrauchsfällen eingeräumt. Diese sei "nicht wachsam genug" gewesen. Ende 2009 war bekannt geworden, dass katholische Würdenträger ind jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten. Auch in Deutschland und zuletzt Belgien wurden zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche bekannt.
Tausende Gläubige
Vor der Kathedrale von Westminster
hatten sich tausende Gläubige versammelt, darunter viele junge Leute, die dem Papst
zujubelten. Ein junger Mann aus Ost-London sprach von "einer wirklich lebendigen
Kirche". In seinem "Gruß an die Jugend" warnte der Papst nach einer
Messe vor den Gefahren von Neid, Selbstsucht und Stolz. "Auch inmitten der
Geschäftigkeit und des Alltagsstresses müssen wir Raum schaffen für Stille, denn
in der Stille geschieht es, dass wir Gott finden, und in der Stille geschieht es,
dass wir unser wahres Selbst entdecken." Am Abend werden 100.000 Gläubige im
Hyde Park erwartet, wenn der Papst eine Gebetswache für Kardinal John Henry Newman
halten wird, den er am Sonntag in Birmingham selig sprechen will.
Papstgegner planen für den Nachmittag
eine große Demonstration durch die Straßen der Londoner Innenstadt, bei
der es auch um den Missbrauchsskandal gehen sollte. Unter anderem sollten Opfer
sexueller Übergriffe durch Priester zu Wort kommen. Die Gegner kritisieren aber
auch die Haltung des Vatikans zur Rolle der Frau in der Gesellschaft, zu den Rechten
Homosexueller und zur Geburtenkontrolle.
Terror-Verdächtige in Haft
Vor der einzigen Messe mit
dem Pontifex in London war Benedikt zunächst zu einem kurzen Gespräch mit dem britischen
Premierminister David Cameron zusammengekommen. Es folgten Begegnungen mit Camerons
Vize Nick Clegg und mit Oppositionsführerin Harriet Harman von der Labour-Partei.
Dabei dürfte auch die Festnahme mehrerer am Freitag angesprochen worden
sein. Die sechs Nordafrikaner sollen Anschläge im Zusammenhang mit dem Papst-Besuch
geplant haben.
Die Verdächtigen blieben
auch am Samstag in Polizeigewahrsam. Sie stünden unter dem Verdacht der "Anstiftung,
Vorbereitung und Beauftragung terroristischer Taten", teilte die Londoner Polizei
mit. Die britische Zeitung "Guardian" berichtete am Samstag, die sechs
Straßenkehrer - darunter mehrere Algerier - seien nur vorsichtshalber festgenommen
worden, weil sie berufsbedingt Zugang zur Wegstrecke des Papstes gehabt hätten.