Donnerstag, 21. August 2008
Kräuter, Feldsalat, Birnen, Rucola: Pestizide in Obst und Gemüse
In deutschem Obst und Gemüse stecken nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace illegale und gesundheitsschädliche Gifte. Besonders betroffen seien frische Kräuter und Himbeeren, gefolgt von Feldsalat, Birnen, Rucola und Johannisbeeren, teilte Greenpeace in Hamburg mit.
Die Organisation hat nach eigenen Angaben bereits veröffentlichte Daten des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig ausgewertet, da das Amt seine Analysen nicht selbst auf illegale Pestizide überprüfe. Von 2176 belasteten Obst-, Gemüse- und Getreideproben aus Deutschland enthielten laut Greenpeace neun Prozent illegale Pestizide. Das Bundesagrarministerium kennt das Problem und geht es nach eigenen Angaben "aktiv an".
Schärferes Vorgehen verlangt
Greenpeace forderte Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) auf, Labordaten auch auf illegale Pestizide zu untersuchen. Die Opposition verlangte ein schärferes Vorgehen. Der Einsatz illegaler Mittel müsse konsequent verfolgt werden, sagte FDP-Abgeordnete Christel Happach-Kasan. Grünen-Agrarpolitikerin Cornelia Behm forderte mehr Sanktionen.
Eine Sprecherin des Agrarministeriums sagte: "Der Handel und der Umgang mit nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht toleriert werden." Verstöße seien aber die Ausnahme. Seit 2004 gebe es ein Kontrollprogramm von Bund und Ländern, seit zwei Jahren eine Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Verbänden zur Verhinderung illegaler Einfuhren. Die Länder sind für Kontrollen zuständig.
"Auf den Tellern der Verbraucher"
Der Deutsche Bauernverband warnte vor Pauschalkritik. Es gebe zum Beispiel Projekte mit dem Lebensmittelhandel zum geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sagte Sprecher Michael Lohse. Was nicht zugelassen sei, dürfe allerdings auch nicht angewendet werden.
Greenpeace warf dem Bundesamt vor, seine Analysen nicht selbst auf verbotene Pestizide zu prüfen. Die Behörde habe außerdem einen Teil ihrer Labor-Datensätze nicht an Greenpeace weitergegeben. So hätten nur 70 Prozent der BVL-Labortests ausgewertet werden können. Zu den Vorwürfen wollte sich das Bundesamt zunächst nicht äußern.
59 verschiedene in Deutschland verbotene Pestizide spürte die Umweltschutzorganisation nach eigenen Angaben in den Untersuchungsergebnissen auf. "Diese Gifte landen auf den Tellern der Verbraucher", sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. "Die Agrarminister der Bundesländer müssen den Handel und Einsatz illegaler Pestizide durch die Landwirte wirksam unterbinden."
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