Freitag, 26. September 2008
Überraschende Militärgespräche: Pjöngjang lädt Seoul ein
Inmitten neuer Spannungen wegen seines umstrittenen Atomprogramms hat Nordkorea überraschend Südkorea neue Gespräche zwischen Vertretern der Streitkräfte beider Länder vorgeschlagen. Es sei nicht klar, was Nordkorea konkret vorbringen wolle, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap einen Ministeriumssprecher. Es war das erste derartige Dialogangebot Nordkoreas seit dem Amtsantritt einer konservativen Regierung in Südkorea Ende Februar.
Südkorea bleibt spröde
Südkorea antwortete zunächst nicht auf den Vorschlag. Der innerkoreanische Dialog liegt derzeit auf Eis. Die Beziehungen haben sich verschlechtert, seitdem Lee Myung Bak in Südkorea neuer Präsident ist. Er vertritt eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang als sein liberaler Vorgänger. Unter anderem hat er den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit von Fortschritten im Atomstreit abhängig gemacht. Trotzdem hatte Lee im Juli die Wiederaufnahme des Dialogs mit dem kommunistischen Nordkorea vorgeschlagen.
Nach der Ankündigung Nordkoreas zur Wiederaufnahme der Produktion von Nuklearmaterial warnte Südkoreas Außenminister Yu Myung Hwan davor, dass die internationalen Verhandlungen über ein Ende des Atomwaffenprogramms des Nachbarstaates wieder an den Ausgangspunkt zurückgeworfen werden könnten. In einer Rede in Seoul schloss Yu nicht aus, dass Nordkorea die jüngsten Schritte im Atomstreit aus taktischen Erwägungen unternommen habe, um eine bessere Verhandlungsposition zu gewinnen. Es sei möglich, dass dies im Zusammenhang mit der bevorstehenden Präsidentenwahl in den USA stehe.
Taktische Inbetriebnahme
Pjöngjang hatte am Mittwoch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) davon unterrichtet, in der kommenden Woche seine stillgelegte Wiederaufbereitungsanlage im Atomkomplex Yongbyon wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Pjöngjang reagiert damit auf die bisherige Weigerung der USA, das Land von ihrer Liste der "Schurkenstaaten" zu streichen.
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