Verbrechen im BosnienkriegPlavsic vorzeitig entlassen
Die frühere bosnisch-serbische Präsidentin Plavsic ist aus der Haft entlassen worden. Die 79-Jährige war im Februar 2003 vom Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Präsident von Bosnien-Herzegowina, Komsic, reagierte mit Unverständnis auf die Haftverkürzung.
Die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte frühere bosnisch-serbische Präsidentin Biljana Plavsic ist aus einem schwedischen Gefängnis entlassen worden und nach Belgrad zurückgekehrt. Dort will die 79-Jährige in Zukunft leben. Plavsic war im Februar 2003 vom Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Wegen guter Führung musste sie nur zwei Drittel der Haftzeit verbüßen.
Der Vorsitzende des Präsidiums von Bosnien-Herzegowina, Zeljko Komsic, sagte aus Protest gegen die vorzeitige Freilassung von Plavsic seinen für nächste Woche geplanten Besuch in Schweden ab. Die schwedische Regierung habe Plavsic "freiwillig" aus der Haft entlassen und sei nicht dazu gezwungen gewesen, begründet Komsic in einer in Sarajevo veröffentlichten Stellungnahme seine Entscheidung. Komsic hatte stets verlangt, Plavsic dürfe nicht vorzeitig auf freien Fuß gesetzt werden, jeder Akt von "Barmherzigkeit" für eine verurteilte Kriegsverbrecherin wäre ein "großer Fehler".
Auch die ersten Reaktionen der Belgrader Bevölkerung auf die Freilassung waren äußerst negativ. Sie stecke "mit beiden Armen tief im Blut" und solle in Bosnien "die Flüchtlinge und Invaliden besuchen, die für sie nur Kollateralschaden sind", hieß es in Leserbriefen. Es sei "ein Skandal, dass jemand, der für Völkermord und den Tod und das Leid Tausender verantwortlich ist, nach acht Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird".
Haftverkürzung nach guter Führung
Plavsics Freilassung nach zwei Dritteln der Haftzeit wegen "guter Führung" entspricht den Bestimmungen des schwedischen Strafrechts. Das vom UN-Sicherheitsrat eingerichtete Haager Tribunal hatte sich im September mit der vorzeitigen Haftentlassung einverstanden erklärt.
Die schwedische Regierung hatte zuvor mehrere Gnadengesuche Plavsics abgelehnt. Die frühere bosnisch-serbische Präsidentin verbüßte die Haftstrafe seit Juni 2003 im schwedischen Hochsicherheitsgefängnis Hinseberg in Örebro westlich von Stockholm. In der vergangenen Woche wurde sie in eine Haftanstalt in Stockholm verlegt. Plavsic hatte sich im Januar 2001 freiwillig dem Tribunal gestellt und sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992-1995) schuldig bekannt, in dessen Verlauf 100.000 Menschen getötet wurden.
Das Tribunal ließ daraufhin die anderen Anklagepunkte gegen Plavsic fallen, darunter den des Völkermordes. Plavsic hatte 1996 den untergetauchten bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic an der Spitze der Republika Srpska abgelöst. Karadzic, der im vergangenen Jahr gefasst wurde, muss sich seit Montag ebenfalls vor dem UN-Tribunal verantworten. In den 90er Jahren vertrat Plavsic extremistische Ansichten - etwa, dass die ethnischen Vertreibungen im Bosnien-Krieg ein "natürliches Phänomen" seien. Später rückte sie von den nationalistischen Äußerungen teilweise ab.