Vor einem Krieg in NahostRaketen treffen Haifa
Im Nahen Osten wächst die Angst vor einem neuen Krieg. In der israelischen Hafenstadt Haifa schlugen zwei Katjuscha-Raketen ein. Die radikal-islamische libanesische Hisbollah-Miliz hatte zuvor mit Raketenangriffen gedroht. Tausende Menschen flohen nach massiven israelischen Luftangriffen aus dem Libanon Richtung Syrien. Der Weltsicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung für Freitag ein.
Im Nahen Osten wächst die Angst vor einem neuen Krieg. In der israelischen Hafenstadt Haifa schlugen am Donnerstagabend zwei Katjuscha-Raketen ein. Das teilte die israelische Armee mit. Die radikal-islamische libanesische Hisbollah-Miliz hatte zuvor mit Raketenangriffen auf Haifa gedroht. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Tausende Menschen flohen nach massiven israelischen Luftangriffen aus dem Libanon Richtung Syrien. Der Weltsicherheitsrat soll am Freitagvormittag (Ortszeit) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.
Erstmals seien Raketen aus dem Libanon auf Haifa, mit rund 250000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Israels, abgefeuert worden, berichtete die israelische Armee. Noch nie seien vom Libanon aus so weit südlich gelegene Ziele mit Raketen beschossen worden. Haifa liegt rund 50 Kilometer südlich der israelisch-libanesischen Grenze.
Bombardement auf Beiruter Flughafen
Die Lage im Nahen Osten hatte sich am Mittwoch dramatisch zugespitzt, nachdem die Hisbollah acht israelische Soldaten getötet und zwei weitere von israelischem Gebiet verschleppt hatte. Die israelische Armee flog eine Welle von Luftangriffen auf Ziele im Libanon. Nach libanesischen Angaben wurden dabei mindestens 46 Menschen getötet, darunter zahlreiche Kinder. Nach einem Bombardement der Rollbahnen musste der internationale Flughafen von Beirut geschlossen werden. Die israelische Marine riegelte die Küste ab. Damit soll verhindert werden, dass Terroristen und Waffenlieferungen in den Libanon gelangen. Am Abend schoss die israelische Luftwaffe erneut mehrere Raketen auf eine Landebahn und Treibstofftanks am Flughafen.
Der israelische UN-Botschafter Daniel Ayalon sagte in New York, die Hisbollah-Raketen auf Haifa stellten eine "sehr große Eskalation" dar. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf libanesische Medien, die Hisbollah bestreite, die beiden Raketen abgefeuert zu haben. Auch andere Städte in Nord-Israel wurden am Abend erneut von Raketen getroffen, darunter die Stadt Naharija, in der bereits am Morgen eine Frau bei einem Raketenangriff getötet worden war.
Libanon weitgehend isoliert
Nach den massiven Bombardements und der Seeblockade war der Libanon am Donnerstag weitgehend isoliert. Flüge wurden nach Zypern umgeleitet. Israel sprach selbst von den schwersten Luftangriffen auf das Land seit dem Libanonkrieg 1982. 170 Ziele seien attackiert worden. Der israelische Generalstabschef Dan Haluz betonte, die Offensive "Angemessener Preis" sei zeitlich nicht begrenzt. Verteidigungsminister Amir Perez erklärte, die Offensive werde erst beendet, wenn die Hisbollah-Miliz aus dem Südlibanon vertrieben sei. Die Hisbollah fordert die Freilassung von in Israel inhaftierten Arabern im Tausch für die entführten Soldaten.
Die Schiiten-Miliz beschoss den Norden Israels vom Libanon aus mit einer Serie von rund 80 Katjuscha-Raketen. Zwei Israelis wurden dabei getötet, 90 verletzt. Zum ersten Mal wurden weit reichendere Geschosse eingesetzt, die Ziele bis zu 25 Kilometer hinter der Grenze trafen.
Auch im Gazastreifen, wohin am 25. Juni ein israelischer Soldat verschleppt worden war, setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe fort und bombardierte das palästinensische Außenministerium in Gaza. Das sechsstöckige Gebäude wurde schwer beschädigt und zehn Menschen verletzt. Zwei Palästinenser kamen ums Leben, nachdem am Vortag 24 Menschen bei der israelischen Offensive getötet worden waren, darunter 11 Zivilisten.
Annan will Vermittler schicken
Weltweit äußerten Politiker Besorgnis wegen der Ausweitung des Nahostkonflikts auf den Libanon. UN-Generalsekretär Kofi Annan stellte ein Diplomatenteam auf, das zwischen Israel und dem Libanon sowie den Palästinensern vermitteln soll. US-Präsident George W. Bush und die Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierten bei ihrem Treffen in Stralsund an die Konfliktparteien, Augenmaß zu behalten. Der Libanon dürfe nicht geschwächt werden. Die EU kritisierte das israelische Vorgehen als "unverhältnismäßig". Russland verurteilte die israelischen Angriffe. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur im Libanon und den Palästinensergebieten durch Israel sei "weder zu verstehen noch zu rechtfertigen", sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums.