Politik

HintergrundRaketenbau in Nordkorea

04.07.2009, 14:38 Uhr

Verarmt, aber hochgerüstet: Seit vier Jahrzehnten entwickelt das kommunistische Nordkorea Raketen.

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Information in einem Bahnhof in Seoul über die Raketenstarts in Nordkorea. (Foto: AP)

Bereits seit fast vier Jahrzehnten befasst sich das kommunistische Nordkorea mit der Entwicklung von Raketen. Grundlage des kostspieligen Raketenprogramms waren Scud-B-Kurzstreckenraketen, die die damalige Sowjetunion und Ägypten geliefert hatten. Nach Erkenntnissen von Militärexperten der amerikanischen "Nuclear Threat Initiative" (NTI) hat das hochgerüstete, aber völlige verarmte Land 600 bis 800 ballistische Raketen in Stellung gebracht und weitere Hunderte dieser Waffen sowie Raketenzubehör und -technologie exportiert.

Nordkoreanische Wissenschaftler haben die Scud weiterentwickelt: Die Varianten reichen von Geschossen, die mehrere hundert Kilogramm schwere Sprengköpfe 500 Kilometer und weiter tragen können (Scud-B und Scud-C), bis hin zur "Nodong" genannten Scud-D, die mit noch größerer Bombenlast Japan erreichen können. Auf der Scud-Technologie fußen auch die "Taepodong"-Langstreckenraketen, die sogar den US- Bundesstaat Alaska bedrohen könnten.

Das Verteidigungsministerium in Seoul berichtete im Februar dieses Jahres, Nordkorea habe auch neuartige Mittelstreckenraketen aufgestellt. Diese Raketen könnten einen 650 Kilogramm schweren Sprengkopf 3000 Kilometer weit tragen. Damit lägen neben Japan und der US-Pazifikinsel Guam auch die nördliche Spitze Australiens sowie große Teile Chinas und Russlands in ihrer Reichweite.

Der erste Scud-Eigenbau wurde 1984 getestet. Neun Jahre später zeigte sich der US-Geheimdienst CIA vom erfolgreichen Test der Scud-D "Nodong" beunruhigt, die sowohl mit konventionellen Sprengköpfen als auch mit Massenvernichtungswaffen bestückt werden könne und Ländern wie dem Iran und Libyen zum Kauf angeboten worden sei. Im Oktober 2006 erprobte Pjöngjang die "Taepodong-2". Der Test schlug nach US-Angaben jedoch fehl. Die dreistufige Rakete kann angeblich 6700 Kilometer weit fliegen. Anfang April missglückte nach Einschätzung der USA das kommunistische Land mit dem Versuch, einen Satelliten ins Weltall zu schießen.

Als Abnehmer von nordkoreanische Raketen und Know-How sind in der Vergangenheit der Jemen, Ägypten, der Iran, Libyen, Pakistan und Syrien in Erscheinung getreten. So sollen die USA verärgert gewesen sein, als die Koreaner in den Jahren 1999 und 2000 dem Jemen Kurzstreckenraketen vom Typ Scud-B lieferten. Syrien wurde angeblich 1991 beliefert. Der Iran soll Ende der 80er Jahre für seinen Krieg gegen den Irak ebenfalls Dutzende nordkoreanische Scuds erhalten haben.

Quelle: dpa