Politik

Gaddafis Außenminister packt ausRebellen erobern Brega

16.07.2011, 22:06 Uhr
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In der Offensive: Libysche Rebellen südlich von Bir al-Ghanam. (Foto: REUTERS)

Im andauernden Stellungskrieg um die Hauptstadt Tripolis erringen die libyschen Rebellen mit der Einnahme der Hafenstadt Brega einen wichtigen Erfolg. Der Ölhafen ist strategisch bedeutsam. Derweil bekräftigt Machthaber Gaddafi in Hetzbotschaften seinen Willen, durchzuhalten, und droht mit einer Art Volkssturm. Enthüllungen über den Diktator lasse ihn aber in einem brutalen Licht erscheinen.

Die libyschen Rebellen sind nach Fernsehberichten in die strategisch wichtige östliche Hafenstadt Brega eingedrungen. Die Regierungstruppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi hätten sich nach heftigen Kämpfen in die 50 Kilometer westlich gelegene Stadt Bishr zurückgezogen, meldete der Sender Al-Arabija. In Brega liegt ein wichtiger Ölhafen.

Der neue militärische Erfolg der Rebellen kam, nachdem rund 40 Staaten ihren Übergangsrat als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt hatten. "Solange eine Übergangsregierung im Amt ist, erkennen die USA den TNC (Nationalen Übergangsrat) als die legitime libysche Regierung an", hatte US-Außenministerin Hillary Clinton in Istanbul gesagt. Dagegen habe das Gaddafi-Regime für die US-Regierung jede Legitimität verloren.

US-Außenministerin Clinton äußerte die Hoffnung, dass die Übergangsregierung durch die Anerkennung bald in die Lage versetzt werde, Mittel aus dem eingefrorenen Vermögen des Gaddafi-Regimes zu erhalten. Dazu müssten jedoch noch einige rechtliche Fragen geklärt werden, sagte sie. Es war das vierte Treffen der Libyen-Kontaktgruppe seit Beginn des Konflikts vor fünf Monaten.

Gaddafis neue Hasstiraden

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Gaddafi regiert mit Geld und Gewalt. (Foto: dpa)

Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi wies die internationale Anerkennung zurück. "Zerstampft diese dumme Anerkennung unter Euren Füßen", rief er seinen Anhängern in einer am späten Freitagabend vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft zu.

Am Samstag erneuerte er diese Ansage. "Sie fordern mich auf, (Libyen) zu verlassen, das ist lustig", sagte er in einer über Lautsprecher ausgestrahlten Rede vor tausenden Menschen in der Stadt Sawija, 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis. "Ich werde niemals das Land meiner Vorfahren verlassen und das Volk, das sich für mich opfert." Er sei bereit, sich für sein Volk zu opfern, sagte Gaddafi.

Der Diktator bezeichnete in seiner Rede die Rebellen als "Ratten", die "das Volk in Bengasi, in Misrata und in den Bergen des Westens in Geiselhaft genommen" hätten und als "menschlichen Schutzschild" missbrauchten. Die Stadt Bengasi im Osten Libyens ist die Hauptstadt der Rebellen, das 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegene Misrata ist ebenfalls in Rebellen-Hand. Der libysche Machthaber versprach, dass "fünf Millionen bewaffnete Libyer" aufmarschieren und die "besetzten Städte befreien" würden, "sobald der Einsatzbefehl gegeben wird."

Kampf um Tripolis

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Echt oder Propaganda? Gaddafis "Anhänger" in Tripolis. (Foto: dpa)

Unterdessen gingen die Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen in der westlichen Stadt Bir al-Ghanam weiter, wie der oppositionelle Fernsehsender Libya Hurra meldete. Die Rebellen kontrollieren dort eine Anhöhe am Stadtrand, ihrem zur Hauptstadt Tripolis am nächsten gelegenen Punkt. Sie kämpfen auch um die Stadt Al-Ghayan auf dem Weg nach Tripolis.

Nach Aussage der Rebellen helfen ihnen die Nato-Luftschläge bei ihrem Vordringen. Am Freitag hatten Kampfflugzeuge in der Nähe von Brega einen Panzer, fünf gepanzerte Fahrzeuge, sieben weitere Fahrzeuge und zahlreiche Raketenwerfer zerstört.

Enthüllungen über Gaddafi

Gaddafis früherer Außenminister, Abdurrahman Schalgam, berichtete derweil von schmutzigen Geschäften, Attentaten und barbarischen Racheakten in dem Land. In Interviews mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat" erzählte er unter anderem, wie Gaddafi 1983 einen ehemaligen Weggefährten, der nach einem gescheiterten Putschversuch ins Exil gegangen war, aus Marokko zurückholen ließ, um ihn in Libyen "wie ein Schaf zu schlachten". Angeblich zahlte Gaddafi dafür an die Marokkaner 200.000 US-Dollar (140.000 Euro).

Dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak soll Gaddafi ein Flugzeug geschenkt haben. Der langjährige ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman, der auch im Nahost-Friedensprozess eine Rolle spielte, war nach Angaben des Ex-Diplomaten "Libyens Mann in Ägypten". Im Jemen unterstützte Gaddafi laut Schalgam verschiedene bewaffnete Gruppen.

Auch über die Macken des Gewaltherrschers breitet sich Schalgam aus. Angeblich hasst es Gaddafi, Dokumente zu unterzeichnen. Er regiere lieber mit telefonischen Anweisungen, sagt Schalgam. Der Politiker hatte den Ministerposten 2009 an Mussa Kussa abgegeben und war Botschafter Libyens bei den Vereinten Nationen in New York geworden. Sowohl Kussa als auch Schalgam reichten ihren Rücktritt ein, nachdem Gaddafi begonnen hatte, den Aufstand gegen sein Regime mit der Armee und ausländischen Söldnern zu bekämpfen.

Quelle: dpa/AFP