Donnerstag, 16. Juni 2011
Solar-Installationen gehen zurück: Regierung stoppt eigene Kürzung
Die von der schwarz-gelben Regierung geplante Kürzung der Solarförderung wird zunächst wieder gekippt. Grund sind zurückgehende Investitionen. Zu wenige Anlagen sind in den letzten Wochen auf die Dächer gebaut worden. Der Verbraucher will offenbar die Subvention.Die Installation neuer Solaranlagen wird nun doch weiterhin so gefördert wie bisher. Angesichts eines Einbruchs beim Bau neuer Anlagen fällt die geplante Förderkürzung aus. "Es wird im Juli keine Absenkung der Vergütung geben", sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche, der "Financial Times Deutschland".
Grund dafür sei, dass von März bis Mai außergewöhnlich wenige Solaranlagen neu gebaut und gemeldet wurden. "Es sind nur 700 Megawatt installiert worden", sagte die CDU-Politikerin. Hochgerechnet auf das Jahr wären das 2800 Megawatt - und damit weniger als 3500 Megawatt Ausbau pro Jahr. Erst ab dieser Zielmarke sollte es Kürzungen geben.
Die Gelder für Sonnenstrom sollten je nach Zubaumenge bis Juli um maximal 15 Prozent und bis Januar 2012 um maximal 24 Prozent gekürzt werden. Angesichts eines massiven Zuwachses im vergangenen Jahr sollten so die Kosten für die Verbraucher eingedämmt werden, die die Förderung über den Strompreis mitbezahlen. Kritiker sehen eine Schieflage, weil ein Hartz-IV-Empfänger somit die Erträge des Hausbesitzers mitzahlt, der sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach leisten kann.
Unübersichtliche Marktlage
Nach Informationen von Marktbeobachtern zieht der Zubau an neuen Photovoltaikanlagen seit Juni hingegen wieder an. Kritiker des Kompromisses, den Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit der Solarwirtschaft ausgehandelt hat, hatten von Anfang an vor einem "Sommerschlussverkauf" im Juni gewarnt.
Der Grund: Wenn in den Monaten März bis Mai kaum Anlagen ans Netz gehen, fällt auch die Kürzung komplett aus. Angesichts sinkender Preise für Solaranlagen lohne es sich dann umso mehr, ab Juni in die private oder gewerbliche Solarstromproduktion einzusteigen.
Derzeit gibt es 28,74 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde bei kleinen Dachanlagen. Diese wären bei einer massiven Zunahme neuer Solaranlagen auf bis zu 24,43 Cent gesenkt worden.
Wäre man hochgerechnet aufs Jahr auf mehr als 3500 Megawatt (MW) neu installierte Leistung gekommen, wären die Förderung ab Juli um 3 Prozent pro Kilowattstunde gekürzt worden. Erst bei mehr als 7500 MW würde die maximale Kürzung um 15 Prozent und damit auf 24,43 Cent greifen. Union und FDP diskutierten zuletzt, ob man angesichts der fallenden Preise für Solaranlagen die Förderung weiter kürzen muss - Röttgen will, dass die erneuerbaren Energien schneller marktfähig werden und somit weniger Subventionen brauchen.
dpa
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