Schwarz-Gelb zickt weiterRösler: Union ist unprofessionell

Im Schatten der Energiewende streiten Union und FDP schon wieder. FDP-Chef Rösler tarnt den Vorwurf, die Union arbeite schlecht, als Bekenntnis: Er sei zuversichtlich, "dass die Kanzlerin in ihren Reihen künftig für Professionalität sorgen kann".
Nach den jüngsten Querelen um den Energiekompromiss und die Griechenland-Rettung hat FDP-Chef Phillip Rösler von der Union einen anderen Umgang mit dem Koalitionspartner gefordert. "Unser Arbeitsstil in dieser Koalition muss anständig und verlässlich sein", sagte der Wirtschaftsminister der "Welt am Sonntag". Er sei zuversichtlich, "dass die Kanzlerin in ihren Reihen künftig für Professionalität sorgen kann".
Rösler machte allerdings auch deutlich, dass zwischen ihm und Merkel noch kein volles Vertrauensverhältnis herrscht. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Vizekanzler mit den Worten: "Mein Vater hat immer gesagt: Vertrauen ist wie ein Baum. Wenn man ihn einpflanzt, ist er klein und verletzlich, jeder Depp kann ihn kaputt treten. Aber mit der Zeit wird der Baum groß und kräftig, und niemand kann ihn mehr umreißen." Auch er sehe es so, dass Vertrauen wachsen müsse.
Rösler verwies darauf, dass die Kanzlerin am Mittwoch in der FDP-Fraktion war und dort Medienberichte über den Streit im jüngsten Koalitionsausschuss kritisiert habe. Die Kanzlerin habe "diese Durchstecherei und obendrein noch Falschdarstellung mit deutlichen Worten kritisiert und gesagt, dass so etwas nicht vorkommen darf - womit sie völlig recht hat", sagte Rösler.
Merkel hatte sich auf Medienberichte bezogen, in denen die Liberalen beim Energiekonsens als Verlierer und Rösler als schwächlicher Neuling dargestellt worden waren. Die FDP vermutet dahinter als Quelle die Union. Die CDU-Vorsitzende machte aber deutlich, dass sie die Versuche nicht toleriere, Rösler zu schaden, Wörtlich habe sie die negativen Schlagzeilen über die FDP "Scheiße" genannt, berichteten Teilnehmer. Sie selbst habe kein Interesse daran, die FDP zu brüskieren. In der FDP war Merkel zuletzt nachgesagt worden, sie sympathisiere mit neuen Bündnissen etwa mit den Grünen oder der SPD.
Den Streit um das angebliche Versagen der FDP bei der Energiewende hatten die Liberalen allerdings selbst ausgelöst. Nachdem die FDP im Kabinett für den schwarz-gelben Atomausstieg gestimmt hatte, hatte Generalsekretär Christian Lindner beanstandet, die Energie-Beschlüsse seien nicht "FDP pur". Sollte es zu Schadensersatzklagen der Energieversorger kommen, trügen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer die Verantwortung.
Ähnlich wie Merkel in der FDP-Fraktion, so sagte auch Rösler der "Welt am Sonntag", das es zwischen Union und FDP "nach wie vor deutlich mehr Übereinstimmungen als Unterschiede" gebe. "Wenn wir gut weiterarbeiten und unsere Überzeugungen politisch umsetzen, auch hin und wieder den Interessenausgleich suchen, gemeinsame Erfolge haben, dann werden wir auch 2013 eine schwarz-gelbe Regierung bekommen." In der jüngsten Forsa-Umfrage kommt die FDP auf 5 Prozent.