Donnerstag, 08. Juli 2010
Rückkehr in den Kosovo: Roma-Kinder sind chancenlos
Etwa 5000 Roma-Kinder sollen in den kommenden Jahren in den Kosovo abgeschoben werden. Laut Unicef werden sie damit heimat-, identitäts und chancenlos.
Tom Koenigs stellte die Unicef-Studie zur lage der Roma-Kinder in Deutschland und im Kosovo vor.
(Foto: dpa)
Die meisten der ins Kosovo abgeschobenen Kinder aus Roma-Familien gehen dort laut einer Unicef-Studie nicht zur Schule. Drei von vier Kindern, die in Deutschland eine Schule besuchten, führen den Unterricht in der Heimat ihrer Eltern nicht fort - das zeigt eine Studie des Kinderhilfswerks Unicef, die in Berlin vorgestellt wurde. Die größtenteils in Deutschland aufgewachsenen jungen Roma sprächen kaum Albanisch oder Serbisch und würden im Kosovo an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
"Ihr Zuhause ist für sie Deutschland", sagte Johannes Wedening, Unicef-Büroleiter im Kosovo. Nach der Abschiebung seien die Kinder und Jugendlichen von Perspektivlosigkeit und extremer Armut bedroht. Die abgeschobenen Familien seien hinterher sogar noch ärmer als jene Familien, die im Kosovo geblieben seien. Die sogenannten Rückführungen sind laut Unicef meist "Nacht-und-Nebel-Aktionen", bei denen die Roma wichtige Papiere wie Geburtsurkunden der Kinder oft in Deutschland vergessen. Im Kosovo seien sie dann nicht nur heimatlos, sondern auch identitätslos, sagte Wedening.
Bleiberecht als einzige Lösung
Etwa 5.000 Kinder und Jugendliche aus Roma-Familien und anderen ethnischen Minderheiten sollen laut Unicef in den kommenden Jahren ins Kosovo abgeschoben werden. Die Kinderhilfsorganisation fordert ein dauerhaftes Bleiberecht für die in Deutschland nur geduldeten jungen Betroffenen. "Das Wohl des Kindes steht nicht im Mittelpunkt der deutschen Flüchtlingspolitik", sagte der Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz. Dieser Forderung schloss sich der Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland an. Die drohende Abschiebung komme einer neuen Vertreibung gleich, weil für viele Familien Deutschland inzwischen die Heimat sei, sagte Zentralratsmitarbeiter Herbert Heuß n-tv.de.
Für die Studie wurden zwischen Februar und Mai mehr als 40 ins Kosovo zurückgekehrte Familien befragt, die durchschnittlich 14 Jahre in Deutschland gelebt haben. Die meisten flüchteten in den frühen 1990er Jahren in die Bundesrepublik, weitere kamen infolge des Kosovokrieges 1998/1999.
dpa
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