Politik

Der Mubarak-Tragödie vorletzter Akt Rücktritt wird zum Familiendrama

15.02.2011, 14:17 Uhr
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Der ägyptische Präsident Husni Mubarak mit seinen Söhnen Alaa und Gamal sowie seiner Frau Suzanne (l-r). (Foto: picture alliance / dpa)

Während die ägyptische Jugendbewegung mit der Armee verhandelt und Informationen über die Milliarden des Mubarak-Clans sammelt, hadert der abgesetzte Präsident mit seinem Schicksal.

Es ist ein Stoff für eine klassische Tragödie: Der von seinem Volk verstoßene alte Herrscher zieht sich - vom Leben bitter enttäuscht - zum Sterben in sein Schlafgemach zurück. "Ich bin ein Soldat, ich sterbe auf dem Schlachtfeld, ich bin nicht feige", sagt er. Er hat keinen Appetit mehr. Nachrichten will er keine mehr hören. Seine Medizin mag er nicht nehmen.

Der Schauplatz für den vorletzten Akt dieses Dramas liegt nicht im antiken Karthago oder in Korinth, sondern in einem luxuriös gestalteten Ferienhaus am Rande des ägyptischen Badeortes Scharm el Scheich. Hauptfigur der Tragödie ist Husni Mubarak, der soeben abgesetzte Dauerpräsident vom Nil. Hier, in der künstlichen Ferienidylle von Scharm el Scheich hat er sich schon in den vergangenen Jahren wohler gefühlt als im Smog von Kairo.

Realitätsfern und einsam

Was ehemalige Vertraute der Präsidentenfamilie jetzt arabischen Journalisten über die Stunden vor und nach der Entmachtung Mubaraks erzählen, zeichnet das Bild eines realitätsfernen Mannes, der es nicht verwinden kann, dass für ihn - anders als bei seinen Vorgängern - kein Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern reserviert wird. Es ist ein Mann, der sich in der Stunde der Not ziemlich einsam fühlt.

Anders als einigen seiner Familienmitglieder soll ihm Ruhm und Ehre letztlich mehr als die Milliarden bedeuten, die sein Clan in den vergangenen drei Jahrzehnten mit legalen, halblegalen und illegalen Geschäften angehäuft hat. Die Rede ist von 40 bis 70 Milliarden US-Dollar, deponiert in Konten in Großbritannien und der Schweiz, investiert in Immobilien im In- und Ausland sowie Firmenbeteiligungen im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Automobilsektor in Ägypten.

Schwerer Abschied von der Macht

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Das Volk spricht ein unmissverständliche Sprache, die Mubarak nicht wahrhaben will. (Foto: picture alliance / dpa)

Fassungslos soll Mubarak in seinen letzten Tagen in seinem Palast in Kairo die Live-Reportagen des TV-Senders Al-Dschasira vom Tahrir-Platz angesehen haben. Er sah Ägypter, die eine Mubarak-Puppe an einer Ampel aufknüpften. In ihren Händen hielten sie Zettel mit der Aufschrift "Verschwinde!". Als ein Vertrauter versucht, Mubarak mit dem Satz "Herr Präsident, die von Al-Dschasira übertreiben mal wieder sehr" zu beschwichtigen, gibt dieser nach den Schilderungen barsch zurück: "Hört endlich auf, mich zu belügen!"

Dann soll Mubarak eine Rede an das ägyptische Volk aufnehmen. Er ist stark geschwächt. Doch immer noch klammert er sich an der Macht fest. Er hält eine Rede, mit der er sich schrittweise aus der Politik zurückziehen soll. Im zweiten Anlauf ist die Aufnahme im Kasten. Der ältere Sohn Alaa ist an Mubaraks Seite. Er soll den Vater gestützt und gerufen haben: "Welcher Esel hat denn diesen Redetext geschrieben?" Von den anwesenden Beratern und Militärs antwortet niemand. Dann zieht sich Husni Mubarak in sein Schlafzimmer zurück.

Jüngster Sohn und Mutter Schuld

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Mubarak gibt seinem jüngsten Sohn Gamal die Schuld an seinem Sturz. (Foto: picture alliance / dpa)

Wie die kuwaitische Zeitung "Al-Qabas" aus dem Präsidentenpalast erfahren haben will, begegnet der Noch-Präsident nun im Flur seinem jüngeren Sohn Gamal, dessen Ambitionen auf das höchste Amt viele Ägypter erst so richtig gegen den Mubarak-Clan aufgebracht hatten. "Du und deine Mutter, ihr habt mich in diese missliche Lage gebracht...ihr seid der Grund dafür,...es ist aus, alle sind weggelaufen.", ruft ihm der Vater demnach zu.

Alaa, der ein wenig so aussieht und auch so spricht wie einst der junge Husni Mubarak, bleibt solange an der Seite des Präsidenten bis dieser einschläft. Dann sucht er laut Zeitung seinen jüngeren Bruder auf und schreit ihn an: "Du und deine Freunde, ihr habt das Land zerstört, und mein Vater zahlt jetzt den Preis dafür." Angeblich soll Alaa bei diesem Wortgefecht auch handgreiflich geworden sein. Am nächsten Vormittag verlassen die Mubaraks und mehrere Begleiter per Helikopter Kairo in Richtung Scharm el Scheich. Seither soll der Ex-Präsident mehrere Angebote, sich in Deutschland oder anderswo medizinisch behandeln zu lassen, ausgeschlagen haben.