Politik

Clinton vor dem AusRückzug hat begonnen

08.05.2008, 17:47 Uhr

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist Anfang Juni entschieden, sagt der Wahlkampfmanager von Hillary Clinton.

Das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wird nach den Worten des Wahlkampfmanagers von Hillary Clinton Anfang Juni entschieden sein. Wenn die ehemalige First Lady bis dahin keine Mehrheit unter den Delegierten habe, werde sie sich hinter ihren Rivalen Barack Obama stellen, sagte Terry McAuliffe, Sprecher der Clinton-Kampagne, in der Sendung "Today" des Fernsehsenders NBC.

Zwar fügte McAuliffe hinzu, dass dies umgekehrt auch für Obama gelte. Doch die Zahlen legen nahe, dass seine Aussage den Anfang eines geordneten Rückzugs einläutet.

Am 3. Juni finden die letzten Vorwahlen der Demokraten statt. Die Präsidentenwahl selbst ist im November. Für die Republikaner wird dabei John McCain antreten.

Die Zahlen

Laut CNN hat Clinton derzeit 1686 Delegierte, davon 267 Superdelegierte. Obama hat 1845 Delegierte, davon 257 Superdelegierte. In den vergangenen Tagen hatte Obama bei den Superdelegierten stark aufgeholt. Insgesamt gibt es rund 800 Superdelegierte. Um beim Nominierungsparteitag, der vom 25. bis zum 28. August in Denver stattfindet, eine Mehrheit zu erhalten, muss Obama oder Clinton 2025 Delegierte gewinnen.

Im Fokus stehen nun die Superdelegierten. Bei den noch ausstehenden sechs Vorwahlen in West Virginia, Kentucky, Oregon, Puerto Rico, Montana und South Dakota sind insgesamt nur 217 Delegierte zu gewinnen. Das sind weniger als die rund 280 Superdelegierten, die sich noch nicht öffentlich festgelegt haben. Nach der CNN-Zählung fehlen Obama noch 180 Delegierte, Clinton fehlen noch 339 Delegierte.

"Ich bleibe im Rennen"

Noch am Mittwoch hatte Clinton einen vorzeitigen Ausstieg ausgeschlossen. "Ich bleibe im Rennen, bis es einen Kandidaten gibt", sagte die New Yorker Senatorin. "Ich werde so hart ich kann daran arbeiten, dass ich diese Kandidatin werde." Mehr als einmal sei sie bereits abgeschrieben worden. "Aber dank Ihnen bin ich zurückgekommen", sagte sie in einer Rede vor Parteifreunden. "Ich bin im Rennen und ich bleibe in diesem Rennen."

Bei den Vorwahlen in Indiana und North Carolina konnte Clintons Konkurrent Barack Obama am Dienstag seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag ausbauen. In North Carolina hatte Clinton eine schwere Niederlage einstecken müssen, in Indiana hatte sie nur knapp gesiegt.

"Die Luft ist komplett raus"

Ebenfalls am Mittwoch rief der frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber George McGovern Clinton zum Ausstieg auf. McGovern ist ein langjähriger Clinton-Freund und war einer der ersten öffentlichen Unterstützer der Ex-First Lady. Jetzt sagte er, Clinton habe keine Chance mehr, die Nominierung zu gewinnen. Die prominente Senatorin Dianne Feinstein, bisher eine "Superdelegierte" im Clinton-Lager, kündigte an, sie wolle mit ihrer Senatoren-Kollegin sprechen. Ziel sei es herauszufinden, wie sich Clinton das weitere Rennen vorstelle und was ihre Strategie sei.

Die Medien geben Clinton kaum noch Chancen. "Unterstützung für Clinton schwindet, während Obama die Ziellinie sieht", titelte die "New York Times". Das Boulevardblatt "Daily News" schrieb "It's his Party" - es ist seine Party und seine Partei. "Die Luft ist komplett raus", beschreibt der demokratische Abgeordnete Jason Altmire im "Wall Street Journal" auch die Stimmung unter den Clinton-Unterstützern im Kongress. "Sie haben sich damit abgefunden, dass es wahrscheinlich nicht klappt."

Das Geld wird knapp

Clinton liegt nicht nur bei den Delegiertenstimmen hinten. Auch finanziell kann sie mit Obama nicht mithalten. Clinton musste in den letzten Wochen erneut 6,4 Millionen Dollar (4,2 Millionen Euro) aus eigenen Mitteln in ihren Wahlkampf investieren, weil ihr sonst das Geld ausgegangen wäre. Es ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass sie in die eigene Tasche greifen musste. Sie bezeichnete die eigene Leihgabe in West Virginia als Zeichen dafür, wie fest sie an das glaube, wofür sie kämpfe. Eindringlich bat die New Yorker Senatorin um Spenden, um im Wettstreit mit Obama "wettbewerbsfähig" zu bleiben. Obama konnte bisher erheblich mehr Spenden sammeln als sie, seine Wahlkampfkasse ist gut gefüllt.