Politik

"Derzeit nur Überlegungen"Russische Bomber nach Kuba

21.07.2008, 16:28 Uhr

Russland scheint seine Drohungen wahr zu machen: Als Reaktion auf das geplante Raketenabwehrsystem der USA in Mitteleuropa erwägt das Land, Langstreckenbomber auf Kuba zu stationieren.

Russische Militärs erwägen laut Medienberichten die Verlegung von schweren Langstreckenbombern nach Kuba als Antwort auf das geplante US-Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa. "Es sind derzeit nur Überlegungen, aber das heißt nicht, dass nichts Reales dahinter steckt", sagte ein namentlich nicht genannter Offizier der Zeitung "Iswestija". Konkret handele es sich um strategische Bomber des Typs Tu-160 und Tu-95MC. Russland hatte einen zu Sowjetzeiten angelegten Stützpunkt im kubanischen Ort Lourdes 2001 aufgegeben.

Der frühere Kommandant dieses Stützpunkts, Generalleutnant Michail Oparin, begrüßte die Überlegungen. "Russlands Luftflotte muss danach streben, an allen Ecken und Enden der Erde präsent zu sein", sagte er der Agentur Interfax. Schließlich würden auch die USA weltweit über Stützpunkte verfügen. "Der erweiterte Aktionsradius unserer Luftflotte könnte eine Antwort auf die einseitige Handlung der USA sein, an russischen Grenzen ein strategisches System zu errichten", betonte Oparin.

Moskaus Haltung unklar

Technisch sei ein zeitlich begrenzter Aufenthalt russischer Flugzeuge auf der Karibik-Insel kein Problem, schrieb die Zeitung. Allerdings sei die politische Haltung Moskaus dazu unklar. Regierungschef Wladimir Putin hatte noch als Präsident mit "Vergeltungsmaßnahmen" gedroht, sollten die USA ihr Projekt eines Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien verwirklichen. Unter anderem hatte Putin gesagt, dass Russland mit eigenen Raketen Ziele in Mitteleuropa ins Visier nehmen könne.

Russlands Ex-Luftwaffenchef Pjotr Dejnekin sagte, er halte die Planspiele für nichts Verurteilungswürdiges. "Auf Russland wird auch keine Rücksicht genommen, wenn Luftwaffenbasen und Radars in unseren Anrainerländern stationiert werden", sagte er der Agentur RIA Nowosti. Bereits jetzt seien russische Bomber in der Lage, mit einmaligem Nachtanken in der Luft bis zur US-Küste und zurück zu fliegen, betonte Dejnekin. Im vergangenen Jahr hatte Putin erstmals seit Ende der Sowjetunion wieder Dauerpatrouillen von Langstreckenbombern über den Weltmeeren angeordnet.

Erinnerung an die "Kubakrise"

Russland empfindet die geplante Stationierung von zehn US-Abwehrraketen in Polen und einer US-Radaranlage in Tschechien als Bedrohung. Eine Anwesenheit russischer Bomber auf Kuba würde aber einen internationalen Konflikt hervorrufen, hieß es in der "Iswestija": "Von Kuba bis zur US-Küste sind es nur 90 Meilen. Außerdem haben die USA "Augen und Ohren" auf der Insel: ihren Stützpunkt Guantnamo." 1962 hatte der letztlich gestoppte Bau von sowjetischen Raketenbasen auf Kuba fast zu einem Weltkrieg geführt. Die damalige Kraftprobe zwischen Washington und Moskau ging als "Kubakrise" in die Geschichte ein.