Montag, 15. September 2008
Linke empört über Nazi-Vergleich: Schmidt wohl "alterssenil"
Vertreter der Linken haben Altbundeskanzler Helmut Schmidt für seine Vorwürfe gegenüber Linksparteichef Oskar Lafontaine scharf kritisiert. "Seine Worte sind ungeheuerlich. Da kann ich nur sagen: alterssenil", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Klaus Ernst der "Passauer Neuen Presse". "Es ist an der Zeit, dass er nichts mehr sagt. Dass ein ehemaliger Bundeskanzler der SPD sich so äußert, zeigt den Verfall von Sitten und Moral in dieser Partei." Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, sprach von einer "unglaublichen Entgleisung" Schmidts.
Schmidt hatte in der "Bild am Sonntag" die rhetorischen Fähigkeiten des früheren SPD-Chefs in einem Atemzug mit denen Adolf Hitlers erwähnt: "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch." Zudem verglich der Altkanzler Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen.
Umwelt-Staatssekretär Michael Müller verteidigte Schmidt. "In der Vergangenheit war Lafontaine in der Ausländer- und Asylfrage nie ein Parteilinker. Er scheute auch nicht vor Begriffen wie Fremdarbeiter zurück, die historisch sehr fragwürdig besetzt sind", sagte Müller der Tageszeitung "Die Welt".
Alte Rechnung beglichen
Für Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse beglich der Altbundeskanzler mit seinen Äußerungen eine alte Rechnung: "Das erinnert ja durchaus an eine Attacke von Oskar Lafontaine vor 20 Jahren auf Helmut Schmidt, wo er gesagt hat: Die Sekundärtugenden Fleiß und Disziplin reichen nicht, mit denen konnte man auch das Nazi-Reich aufbauen", sagte Thierse im MDR. "Also insofern steht es eins zu eins zwischen Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine."
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