Donnerstag, 24. Juni 2010
Petraeus an den Hindukusch: Schnelle Übergabe erwartet
Die neue Afghanistan-Strategie der USA, die auf die "Eroberung" der Herzen baut und weniger auf klassische Kampfoperationen, wird auch nach dem Wechsel an der Kommandospitze beibehalten, betont US-Präsident Obama. Auch Bundesverteidigungsminister Guttenberg rechnet mit Kontinuität bei der Einsatzführung.US-Präsident Barack Obama erwartet einen raschen und reibungslosen Kommandowechsel in Afghanistan. Nachdem er sich vom bisherigen Oberbefehlshaber Stanley McChrystal getrennt hatte, hofft er, dass der von ihm als Nachfolger nominierte General David Petraeus den Posten bereits in wenigen Tagen übernehmen wird. Davor muss Petraeus noch vom Senat bestätigt werden. Die Anhörung des ehemaligen US-Oberbefehlshabers im Irak werde spätestens am kommenden Dienstag stattfinden, sagte der Vorsitzende des zuständigen Streitkräfte-Ausschusses, Carl Levin. Danach könnte dann rasch abgestimmt werden.
"Personalwechsel, kein Strategiewechsel"
Bis Petraeus vom Senat bestätigt ist, wird der britische General Nick Parker das Kommando über die ISAF übernehmen. Das teilte das Weiße Haus nach einem Telefonat zwischen Obama und dem britischen Regierungschef David Cameron mit. Parker, der seit September vergangenen Jahres McChrystals Stellvertreter war, versicherte, dass die Mission ohne Verzug fortgesetzt werde.
Obama machte zugleich klar, dass die Personalentscheidung keine Kursänderung in Afghanistan bedeute: "Dies ist ein Personalwechsel, kein Strategiewechsel." Die von der NATO geführte Afghanistan-Schutztruppe ISAF werde weiter nach der von McChrystal entwickelten Strategie eingesetzt, erklärte auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel.
Auch Guttenberg erwartet Kontinuität
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg rechnet ebenfalls mit Kontinuität bei der Einsatzführung. "Ich erwarte durch diese Personalie keinen Bruch in der Strategie", sagte Guttenberg bei einem Truppenbesuch im ostafrikanischen Dschibuti. Er kenne und schätze Petraeus, so der CSU-Politiker weiter. Der General zähle zu den "besonnenen Köpfen". Petraeus habe bereits im Irak "mit klugen Schritten eine Perspektive aufgezeigt und umgesetzt", die auch in Afghanistan notwendig sei. "Ich hoffe allerdings, dass wir mit Blick auf die Planungen, die angestoßen wurden, Kontinuität haben werden", sagte der Minister.
Der geschasste McChrystal gilt als Haudegen.
(Foto: AP)
Guttenberg bedauerte zugleich die Entlassung McChrystals. Er habe McChrystals Arbeit sehr geschätzt, er sei ein sehr verlässlicher Partner gewesen.
McChrystal hatte sich in einem Magazin-Artikel abfällig über mehrere Regierungsmitglieder und Diplomaten geäußert, so auch über Obama selbst. Der Präsident kam am Mittwoch mit dem General zusammen und nahm dessen Rücktrittsersuchen an, wie er anschließend mitteilte.
McChrystal war in Afghanistan Chef der internationalen Truppe ISAF und damit auch der deutschen Soldaten vor Ort. Er hat im vergangenen Jahr den Strategiewechsel am Hindukusch umgesetzt. Die USA stockten ihre Truppen massiv auf, gingen in die Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban und entwickelten gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen.
dpa/AFP
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