Politik

Fifty-Fifty mit dem KlimaSchüler fangen schon mal an

04.12.2009, 14:15 Uhr
imageHubertus Volmer

In der Grundschule am Schäfersee haben die Energieexperten der 4c genau verstanden, worum es geht. "Der Klimawandel ist schlecht, weil es immer heißer wird", sagt Ario. Grund genug, etwas zu tun.

Noch pokern die Regierungen der Welt darum, wer bis wann wie viel CO2 einsparen muss, noch ist unklar, ob es eine Einigung geben wird. Aber sicher ist: Es wird wehtun, und es wird teuer.

Mit oder ohne Klimavertrag - die Treibhausgasemissionen müssen runter. Nun können wir auf saubere Kohlekraftwerke setzen oder auf CCS, das unterirdische Verklappen von CO2, wir können auf den Durchbruch bei der Kernfusion hoffen oder darauf, dass sich die Klimaforscher irren. Oder wir fangen einfach an.

Wie die Schüler von der Grundschule am Schäfersee im Berliner Stadtteil Reinickendorf. In dem Programm Fifty/Fifty lernen sie, Energie zu sparen.

Bei einem Energierundgang durch das Schulhaus finden Schüler der Klasse 4c neun brennende Lampen auf dem taghellen Schulhof und eine wahre Festbeleuchtung im leeren Lehrerzimmer. Hier ist auch die Wärmeplatte der Kaffeemaschine noch eingeschaltet. Klassenlehrerin Barbara Schmidt freut sich: "Prima, da haben wir ganz schnell eine Menge gefunden, worüber wir reden und wo wir was machen können!"

25 Tonnen CO2 pro Schule

Fifty/Fifty bedeutet, dass die Schule die Hälfte des eingesparten Geldes ausgezahlt bekommt. Die andere Hälfte geht an den Schulträger. Das kann sich durchaus lohnen: Das Charlotte-Wolf-Kolleg in Berlin-Charlottenburg etwa ist seit 10 Jahren dabei und hat bereits 50.000 Euro verdient, erzählt Malte Schmidthals vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen, das seit 16 Jahren Fifty/Fifty an die Schulen bringt.

Im Vergleich zu seiner Bekanntheit ist das Programm unglaublich erfolgreich. Der Berliner Senat hat das Ziel, alle Schulen der Hauptstadt - das sind rund 800 - an dem Programm teilnehmen zu lassen. Finanziert wird das Programm von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. 180 Schulen sind oder waren schon dabei. Jede dieser Schulen hat durchschnittlich 25 Tonnen CO2 eingespart. Das macht insgesamt immerhin 4500 Tonnen pro Jahr. Bundesweit sind derzeit rund 3500 Schulen an Fifty/Fifty oder vergleichbaren Programmen beteiligt. Würden alle Schulen in Deutschland dem Beispiel der Grundschule am Schäfersee folgen, wäre der Einspareffekt noch beeindruckender: Rund 44.000 Schulen gibt es in Deutschland. Das macht 1,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr - ohne Wärmedämmung, ohne Investitionen, allein dadurch, dass die Schüler an den Schulen dieses Landes die Augen offen halten.

"Wir versauen den Kindern das Klima"

In der Grundschule am Schäfersee haben die Energieexperten der 4c ziemlich genau verstanden, worum es geht. "Der Klimawandel ist schlecht, weil es immer heißer wird", sagt Ario. "Das ist schlecht für Tiere und Menschen. An manchen Orten wird es sehr viel trockener werden, so dass manche Tiere dort nicht überleben können, zum Beispiel wenn das Gewässer, wo Krokodile leben, austrocknet."

Die Lehrerin Cornelia Lukas, die die Energieexpedition ins Lehrerzimmer beobachtet hat, findet das Energiesparprojekt Fifty/Fifty gut, weil es den Kindern die Möglichkeit zum Mitbestimmen gibt. "Und wenn sie dann auch den Lehrern sagen können, wie die es mit der Energie besser machen können, gibt ihnen das mehr Selbstbewusstsein und ein Gefühl für ihre Kraft." Eigentlich, meint die Lehrerin, müsste man noch viel mehr machen, "denn wir Erwachsene sind es doch, die den Kindern das Klima versauen".

40 Prozent CO2 will die Bundesregierung bis 2020 einsparen. Die Schüler von der Grundschule am Schäfersee haben schon mal angefangen.