Sonntag, 20. April 2008
Lobbyisten in die Parade fahren: Seehofer auf 180
Angesichts drohender Hungerkatastrophen hat Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) massive Kritik an der internationalen Nahrungs- und Futtermittelindustrie geübt. "Denen geht es in erster Linie doch um eine Gewinnmaximierung und nicht um die Versorgung der Menschen", sagte Seehofer "BamS". "Es kann doch nicht sein, dass in den USA im wesentlichen nur noch ein Konzern Saatgut anbietet. Die Landwirte dort werden doch erpresst und die Entwicklungsländer auch."
Seehofer sagte: "Die großen Konzerne und Finanzanleger beherrschen die Szene und denen muss man in die Parade fahren. Wir brauchen hier keine industrielle, sondern eine bäuerliche Landwirtschaft." Der Minister verwies auf Prognosen, nach denen die Preise für Futtermittel "um 600 Prozent steigen, weil es Futtermittelknappheit gibt. Dahinter steht das Interesse der Konzerne, ihren genveränderten Sojamais zu verkaufen". Seehofer hatte dem US-Konzern Monsanto den Verkauf von Saatgut für Genmais MON810 nur unter der Bedingung schärferer Kontrollen der Folgen für die Umwelt erlaubt.
Nachhaltige Produktion gefordert
Zugleich verteidigte Seehofer die Nutzung von Bioenergie. "Wir haben aus Gründen des Klimaschutzes in Europa eine stärkere Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen beschlossen". Seehofer äußerte sich besorgt über die Vernichtung von Regenwäldern für Biosprit und forderte eine Regelung der EU. "Der Vernichtung des Urwaldes für Nahrungsmittel oder für Biosprit müssen wir energisch die Stirn bieten. Ich schlage daher vor, dass EU-weit die Anrechnung von Biosprit auf die Kraftstoffquote nur dann zulässig ist, wenn die Rohstoffe für den Biosprit nicht aus gerodeten Urwäldern stammen. Wir legen auf nachhaltige Produktion wert."
Macht an der Ladentheke
Seehofer riet Verbrauchern, ihre Macht zu nutzen. "Generell gibt es im Lebensmittelbereich nach wie vor einen sehr scharfen Wettbewerb", sagte er. "Ich gehe daher davon aus, dass sich das Preisniveau bei den Lebensmitteln in absehbarer Zeit wieder einpendeln wird."
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