Angst vor "Kreditheuschrecken"Seehofer will Schuldner schützen
Geplant ist eine Gesetzesänderung, nach der Darlehensverträge nur mit Zustimmung des Kreditnehmers verkauft werden dürfen.
Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) will Wohneigentümer mit schärferen Gesetzen vor dem Weiterverkauf ihrer Immobiliendarlehen an internationale Finanzinvestoren schützen. "Wir müssen dringend handeln. Ich will, dass der Kreditnehmer in eine rechtlich stärkere Position kommt", sagte Seehofer in einem Zeitungsinterview. Er solle künftig "auf Augenhöhe mit den Banken" sein, bestätigte das Ministerium.
Geplant ist eine Gesetzesänderung, nach der Darlehensverträge nur mit Zustimmung des Kreditnehmers verkauft werden dürfen. Durch den Verkauf von Hypothekendarlehen an sogenannte "Kreditheuschrecken" wurden bereits etliche Hausbesitzer in die Zwangsvollstreckung getrieben. "Es gibt da Auswüchse von Finanzjongleuren, die wir uns bislang gar nicht vorstellen konnten. Die Maximierung von Finanzgewinnen wird zum einzigen Zweck erhoben. Der Mensch kommt dabei unter die Räder", kritisierte Seehofer.
Im Sinne des Schuldners
Banken sollen auch verpflichtet werden, Kredite mit und ohne Forderungsübertragung anzubieten. Zudem sollen sie künftig spätestens drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit darüber informieren, ob und zu welchem Zinssatz sie eine Kredit-Verlängerung anbieten. Außerdem sollen Kredite nicht schon beim Fehlen einer Rate gekündigt werden dürfen, und auch dann nicht, wenn sich der Wert der Immobilie oder die wirtschaftliche Lage des Kreditnehmers verschlechtert. Für Schuldner soll es bei einem Weiterverkauf des Darlehens ein kostenfreies Sonderkündigungsrecht geben.
Seehofer erhofft sich davon mehr Transparenz: "Kredit- und Finanzgewerbe sollten ihre Geschäfte nicht in einer Dunkelkammer abwickeln. Das ist das Mindeste, was man im Zeitalter der Globalisierung und Undurchsichtigkeit der internationalen Finanzmärkte verlangen muss."