Viele Russen sehen den Diktator bis heute als siegreichen Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Dienstag, 20. April 2010
Zum Jahrestag des Sieges: Stalin-Bus in St. Petersburg
Neuer Skandal um den Sowjetdiktator Josef Stalin: Das Bild des "Massenmörders" soll nun auch einen Bus in der russischen Stadt St. Petersburg zum 65. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus zieren.Ein privates Transportunternehmen will auf Initiative der Kommunisten einen Bus mit dem Porträt Stalins über die Prachtstraße Newski Prospekt pendeln lassen, schrieb die Zeitung "Wremja Nowostej". Bürgerrechtler forderten Gouverneurin Valentina Matwijenko auf, dies zu verhindern. In Deutschland führen schließlich auch keine Busse mit Hitler-Porträts, hieß es.
In Russland tobt seit Monaten ein erbitterter Streit um die Würdigung Stalins im Zuge der Siegesfeiern am 9. Mai. Der Umgang mit dem Diktator, der Schuld am Tod von Millionen Menschen trägt, spaltet die Gesellschaft bis heute. In Moskau hat Bürgermeister Juri Luschkow trotz Protesten des Kreml großflächige Stalin-Plakate im Zentrum genehmigt. Matwijenko lehnte eine solche Initiative der Veteranen in St. Petersburg ab. Kremlchef Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin hatten Stalin als "Verbrecher" bezeichnet.
Kulturminister Alexander Awdejew nannte Stalin unlängst einen "Massenmörder". Viele Russen, darunter auch Luschkow, sehen den Diktator dagegen weiter als siegreichen Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg. Awdejew betonte, dass nicht Stalin, sondern die Bevölkerung Hitler besiegt habe. "Stalin löschte Millionen von Leben aus im Zuge der Repression und Millionen von Leben im Zweiten Weltkrieg", sagte der Minister. Zudem trage Stalin für die zwei ersten Jahre voller Niederlagen und Kriegsverluste die Verantwortung.
dpa
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