Montag, 11. Juli 2011
"Möchtegern-Kandidat": Steinbrück-Gegner formieren sich
In den Umfragen liegt er vor Kanzlerin Merkel, doch die SPD ist sich noch gar nicht sicher, ob sie Peer Steinbrück ins nächste Wahlrennen schicken will. Steinbrück ist als Verfechter der Hartz-Gesetze und der Reform-"Agenda 2010" besonders bei SPD-Linken umstritten. Die kritisieren nun seine Teamfähigkeit und überhaupt seine Ambitionen.In der Debatte um die SPD-Kanzlerkandidatur haben sich Vertreter des linken Parteiflügels gegen eine Nominierung Peer Steinbrücks ausgesprochen. "Gegenüber einem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gibt es in unseren Reihen überwiegend Skepsis", sagte die stellvertretende Sprecherin der Parteilinken, Angela Marquardt, der "tageszeitung". "Die Teamfähigkeit von Steinbrück kann man in Zweifel ziehen", fügte sie hinzu.
Auch der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner äußerte sich skeptisch. "Es geht nicht nur darum, wer am meisten von sich reden macht oder wer am besten in der veröffentlichten Meinung ankommt", sagte Stegner der "taz". Am Ende gehe es darum, wer das Gesamtprofil der Partei am besten vertrete.
Stegner und Marquardt kritisierten zugleich den Zeitpunkt der Debatte. Erst Ende 2012 solle die Kanzlerkandidatur entschieden werden, mahnte Stegner. "Der Zeitpunkt gilt auch für Möchtegern-Kandidaten."
SPD bremst Erwartungen
Am Wochenende hatte die SPD-Parteiführung betont, sie wolle sich bei der Bewerber-Kür nicht unter Druck setzen lassen. "Zwei Jahre nach der Bundestagswahl 2009 scheint für die Öffentlichkeit nichts interessanter als die Frage, welcher Sozialdemokrat Kanzler wird" sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier der "Frankfurter Rundschau". Dabei steht derzeit besonders Steinbrück im Fokus. Wie Parteichef Sigmar Gabriel bremste auch Steinmeier: Die Entscheidung falle "frühestens Ende 2012".
In einer Emnid-Umfrage für den "Focus" sprachen sich 28 Prozent aller Befragten und 37 Prozent der SPD-Anhänger für Fraktionschef Steinmeier als Kandidaten aus. Steinbrück favorisierten 24 Prozent aller Befragten und 32 Prozent der SPD-Anhänger. Für Gabriel waren 11 Prozent der Befragten und 23 Prozent der Anhänger seiner Partei.
Merkel will bleiben
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihrerseits deutlich gemacht, dass sie 2013 wieder antreten wird. Falls die Bürger den Bundeskanzler direkt wählen könnten, würde Merkel laut ARD-Deutschlandtrend vom Freitag gegen Steinbrück derzeit verlieren: mit 37 zu 48 Prozent. Gabriel sagte bei der Präsentation eines ARD-Films über die SPD: "Peer Steinbrück ist superpopulär gerade". Ein "netter Hype" allein nütze aber nichts. Entscheidend sei, dass ein Kanzlerkandidat die volle Unterstützung der Partei habe und dass Bewerber und Partei in die gleiche Richtung marschierten.
dpa
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