Politik
Keine Arbeit, keine Zukunft, immer mehr Afghanen verlassen ihr Land.
Keine Arbeit, keine Zukunft, immer mehr Afghanen verlassen ihr Land.(Foto: AP)

Spontane Massenausreise: Tausende Afghanen fliehen nach Europa

Noch kommen die meisten Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland. Das könnte sich demnächst ändern. Denn in jedem Monat verlassen bis zu 100.000 Afghanen ihr Land. Für viele heißt das Ziel Europa.

Experten erwarten einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge in Deutschland weiter steigende Asylbewerberzahlen aus Afghanistan. Derzeit verließen monatlich bis zu 100.000 Afghanen ihr Heimatland, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Chef der Afghanistan-Mission der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Richard Danziger, sagte der Zeitung, dass in diesem Jahr bisher rund 70.000 Afghanen in Europa angekommen seien.

Während es Arbeitsmigranten vor allem in den Iran, nach Pakistan oder in die Arabischen Emirate ziehe, flöhen Zehntausende weiter nach Europa und dort oftmals nach Deutschland. Deutsche Sicherheitsbeamte führten die steigende Flüchtlingszahl aus Afghanistan insbesondere auf eine Entscheidung der Regierung in Kabul zurück, berichtet die Zeitung. Diese habe Anfang des Jahres begonnen, elektronisch lesbare Pässe auszugeben, mit denen eine Ausreise in den Iran möglich sei. Die Nachfrage sei enorm. "Wir haben nicht genug Beamte und technische Möglichkeiten, um rechtzeitig zu liefern", sagte der Leiter der afghanischen Passbehörde, Sayed Omar Saboor.

Gerüchte und Not

Nach Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen habe sich die Zahl der Flüchtlinge aus Afghanistan zudem erhöht, nachdem die Bundesregierung im August ihre Asylbewerberprognose für 2015 auf insgesamt 800.000 erhöht hatte. Vor Ort in Afghanistan sollen Schleuser daraufhin das Gerücht gestreut haben, dass die Bundesrepublik über diese Zahl hinaus keine Flüchtlinge mehr aufnehmen werde. Die Folge sei eine massenhafte plötzliche Ausreise gewesen. In Deutschland kamen zuletzt etwa elf Prozent der neu eingetroffenen Flüchtlinge aus Afghanistan. Derzeit sind Syrer die größte Gruppe unter den Asylbewerbern in Deutschland.

Immer weniger der 30 Millionen Afghanen sehen ihre Zukunft noch in der Heimat. Die Arbeitslosenquote wird auf 50 bis 80 Prozent geschätzt. Nach dem Abzug der Nato Ende 2014 verschlechtert sich außerdem die Sicherheitslage wieder. Die Friedensgespräche mit den Taliban stagnieren, in letzter Zeit häufen sich wieder Gewaltakte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen