Mittwoch, 16. September 2009
Sauerland-Gruppe: Terroristen wurden gewarnt
Die islamistische Sauerland-Gruppe soll durch ein Leck oder eine gezielte Indiskretion des türkischen Geheimdienstes MIT gewarnt worden sein. Das geht aus dem Geständnis des Angeklagten Atilla Selek hervor, das im Düsseldorfer Oberlandesgericht verlesen und vom Angeklagten bestätigt wurde.
Er sei mit dem inzwischen per Haftbefehl vom Bundeskriminalamt als Terrorhelfer gesuchten Türken Mevlüt K. in Istanbul unterwegs gewesen, als dieser für einige Zeit in einem Haus verschwand und bei seiner Rückkehr sichtlich verärgert gewesen sei. "Du hast mich da in etwas reingezogen", habe Mevlüt K. ihm vorgeworfen, berichtete Selek.
Plötzlich habe K. die Namen der übrigen Mitglieder der Terrorzelle gewusst und auch, dass sie in Deutschland unter Terrorverdacht stehen und in Pakistan gewesen seien. Der Geheimdienst kenne auch Seleks Handy-Nummer. Die geplante Übergabe der für die Anschläge in Deutschland benötigten Sprengzünder vor der berühmten Hagia Sophia könne nicht stattfinden, weil das Treffen vom Geheimdienst observiert werden würde und eine Falle sei, habe Mevlüt K. gesagt.
Ihm sei daraufhin klar gewesen, dass auch ihre E-Mail- Briefkästen überwacht werden, mit denen sie kommunizierten, sagte Selek. Via Internet-Telefondienst habe er den mutmaßlichen Rädelsführer der Sauerland-Zelle, Fritz Gelowicz, angerufen und ihm alles erzählt. Er habe Gelowicz geraten, die Anschlagsvorbereitungen in Deutschland abzubrechen, da den Ermittlern anscheinend alles bekannt sei. Warum dieser nicht reagierte, ist noch nicht klar.
Selbst ein Informant?
Mevlüt K. habe in Istanbul über mehrere konspirative Wohnungen verfügt und sei Anlaufstelle und Mittelsmann für den Dschihad (Heiligen Krieg) in Tschetschenien gewesen. Er habe behauptet, ein Verwandter arbeite beim Geheimdienst MIT, und über ihn bekomme er illegal Informationen. Mevlüt K. steht Medienberichten zufolge jedoch im Verdacht, selbst Mitarbeiter oder Informant des Geheimdienstes zu sein.
Die Sauerland-Gruppe soll in Deutschland massive Anschläge mit Autobomben geplant haben. Drei der vier Angeklagten waren im sauerländischen Oberschledorn festgenommen worden, ein vierter wurde später in der Türkei verhaftet.
dpa
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