Höhere Ärzte-HonorareTeuer für Versicherte
Gesetzlich Versicherte müssen für die höheren Ärzte-Honorare tiefer in die Tasche greifen als bisher erwartet.
Die nach monatelangem Gezerre ausgehandelten Honorarsteigerungen für die Ärzte werden vor allem die Beitragszahler bezahlen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sagte in Berlin, es werde wohl auf eine Steigerung der Beiträge um 0,28 Punkte hinauslaufen. Er begründete dies damit, dass die Ärzte von den Kassen ab dem nächsten Jahr unter dem Strich rund 2,7 Milliarden Euro mehr erhielten.
Die Mediziner hatten die Honorar-Anhebung um mehr als zehn Prozent gegen den Widerstand der Kassen zusammen mit dem unabhängigen Schlichter durchgesetzt. Auch die Politik machte sich für eine Erhöhung des Budgets in dem Umfang stark. Die Anhebung um 2,7 Milliarden Euro ist auch Folge einer stärkeren Ost-West-Angleichung. Nach Angaben der KBV ergibt sich für die neuen Länder eine Vergütung je Versicherten von durchschnittlich 94 bis 95 Prozent des Westniveaus. Köhler: "Wir hoffen, dass wir damit zumindest einen kleinen Beitrag dazu beitragen können, dass die Unterversorgung in den neuen Bundesländern (...) beseitigt werden kann." Der KBV-Chef betonte, dass die Ärzte und Psychotherapeuten in den alten Ländern keine Honorarverluste tragen müssten.
Kritik der Kassen
Die Krankenkassen kritisieren den gegen ihre Stimme erfolgten Beschluss: "Diese massive Honorarerhöhung werden leider alle Versicherten deutlich in ihren Portemonnaies spüren", erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Ärzte hatten ursprünglich ein Honorarplus von 4,5 Milliarden Euro für die 145.000 niedergelassenen Ärzte gefordert, mindestens aber 2,5 Milliarden.
Wie hoch der künftige Einheitssatz für alle gesetzlichen Versicherten im Zuge des Gesundheitsfonds sein wird, hängt unter anderem noch von den Budgetverhandlungen mit den Kliniken ab. Derzeit liegt der durchschnittliche Beitragssatz bei rund 14,92 Prozent.
Ärzte zufrieden
KBV-Chef Köhler sprach von einem "wichtigen" Schritt, "um die flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung für die Patienten auf Dauer zu sichern". Zudem sei eine leistungsgerechte Vergütung in Euro und Cent möglich. Die am Krankheitszustand der Versicherten orientierte Gesamtvergütung sei gerechter. Die Trennung der Honoraranteile für Haus- und Fachärzte könne beibehalten werden.
In den Bundesländern wird die Anhebung laut KBV unterschiedlich hoch ausfallen. In Ostdeutschland seien Steigerungen bis zu 20 Prozent möglich, im Westen bis zu 14 Prozent. Es werde aber auch Zuwächse geben, die unter dem Durchschnitt liegen werden. Für Baden- Württemberg etwa sei "gerade so eine schwarze Null" zu erwarten.
Der Hartmannbund nannte das Ergebnis einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Bisher seien lediglich Minimalforderungen diskutiert worden. Der Präsident der "Freien Ärzteschaft", Martin Grauduszus, sprach von einer "seit langem überfälligen Nachzahlung". Der Verband der niedergelassenen Ärzte, der NAV-Virchow-Bund, warf der KBV dagegen vor, sie habe zu wenig herausgeholt. Die FDP sieht in dem Honorarplus "eine teure Marketingmaßnahme" der Bundesregierung.