Mittwoch, 06. Juni 2007
"Quasselbude" G8: Tonys letzter Stopp
Großbritanniens Premierminister Tony Blair sieht sich in der Lage, US-Präsident George W. Bush zur Annahme von konkreten Zielen zur Reduzierung von Treibhausgasen bewegen zu können. Vor dem Beginn des G8-Gipfels in Heiligendamm sagte Blair der Zeitung "Guardian", es sei zwar unklar, welchem Ziel Bush genau zustimmen werde. Die USA bewegten sich jedoch in der Klimadebatte. Er, Bush und Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten vor dem Treffen eng zusammengearbeitet, um eine Einigung zu erzielen. Blairs Mitarbeiter räumten jedoch ein, dass die Staats- und Regierungschefs von einer Debatte bis zum letzten Tag des Gipfels am Freitag ausgingen, berichtete das Blatt.
In seinem Leitartikel "Tonys letzter Stopp in der Quasselbude" schreibt "The Guardian": "Der G8-Gipfel ist lange kein gemütlicher Club alter Herren mehr. Stattdessen versammelt sich ein aufrührerisches Pack - mit den USA, die das Klimawandel-Spiel nur nach ihren eigenen Regeln spielen wollen und mit Russland, das mürrisch allein in der Ecke steht (...). Der Gipfel in Heiligendamm wird vielleicht sogar scheitern, die Versprechen zu untermauern, die auf vorherigen Treffen vereinbart wurden. (...) Doch unilaterale Lösungen für weltweite Probleme - Klima, Handel, Entwicklungshilfe - sind nicht mehr angebracht. Auch die schärfsten Kritiker von Premierministers Tony Blair werden ihm zuerkennen, dass er gut verhandeln und überzeugen kann. Eine weitere große Herausforderung, der der G8-Gipfel gegenübersteht, wird es sein, jemand mit so guten diplomatischen Fähigkeiten zu finden."
"Wir brauchen eine weltweite Übereinkunft mit allen wichtigen Parteien, einschließlich China und den USA", sagte der scheidende Premier der Zeitung. "Im Kern muss es ein weltweites Ziel für den Rückgang des Ausstoßes geben. Ich glaube, dass es möglich ist, alle dazu zu bewegen." Im günstigsten Fall werde das Abschlusskommunikee der G8 am Freitag die Verpflichtung enthalten, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 auf die Hälfte des Wertes von 1990 zu reduzieren. Er werde darum kämpfen, "das Maximum" herauszuholen, versprach Blair.
Allerdings warnte er auch, dass man zwei politische Fakten akzeptieren müsse. "Zum einen wird Amerika keine weltweite Vereinbarung unterzeichnen, die China nicht einschießt und zum anderen wird China keine Einigung unterschreiben, die seine wirtschaftliche Entwicklung behindert. Das kann man rauf und runter diskutieren, aber ich sage Ihnen, dass sind die politischen Realitäten."
Die USA haben wiederholt kritisiert, dass die bisherigen Vorschläge zur Reduzierung der Treibhausgase China nicht einschließen. Das kommunistische Land wird die USA in den kommenden Jahren voraussichtlich als weltgrößter Produzent von CO2 überholen.
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