Freitag, 17. Juli 2009
Menschenrechtlerin beerdigt: Trauer um Estemirowa
Die ermordete russische Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa ist in der tschetschenischen Kleinstadt Koschkeldi beerdigt worden. Freunde hatten den Leichnam der 50-Jährigen aus Inguschetien geholt, wo Estemirowas am Mittwoch tot aufgefunden worden war. Zunächst hatten sie die Tote in ihr Heimatdorf Ischkoi-Jurt gebracht, wo Freunde und Familie von ihr Abschied nahmen. Anschließend wurde sie in Koschkeldi beigesetzt.
Auf einer Gedenkdemonstration in Moskau halten die Menschen Bilder der Getöteten in die Höhe.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Vor dem Büro der Ermordeten in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny hatte einem Fernsehbericht zufolge ein in schwarz gekleideter Anhänger der Menschenrechtlerin Posten bezogen mit einem Plakat mit der Aufschrift: "Wer ist der nächste?" In Moskau versammelten sich rund 100 Menschen und hielten schweigend Fotos von Estemirowa und ihrer 2006 ebenfalls ermordeten Freundin und Reporterin Anna Politkowskaja in die Höhe.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew kündigte bei seinem Deutschlandbesuch an, dass man die Täter aufspüren und bestrafen werde. Das Verbrechen werde auf das Gründlichste untersucht. Die Tat habe mit den Aktivitäten Estemirowas zu tun und sei eine Provokation.
Menschenrechtlern bezweifeln Aufklärungswillen
"Ich wünschte, ich könnte diesen Worten vertrauen", sagte die Menschenrechts-Aktivistin Natalia Rostowa. Aber sie glaube nicht, dass die richtigen Personen auf die Anklagebank gebracht würden.
Vor dem Denkmal für ermordete Journalisten in Grosny versammelten sich etwa 100 Trauernde.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Estemirowa dokumentierte in Grosny im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Memorial Unregelmäßigkeiten bei den Strafverfolgungsbehörden.
Eine Sprecherin des inguschetischen Innenministeriums sagte, die Leiche Estemirowas habe zwei Wunden am Kopf aufgewiesen. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international erklärte, sie sei erschossen worden. Der Mord stehe im Zusammenhang mit dem Versuch, die Zivilgesellschaft in Russland mundtot zu machen. Memorial macht die tschetschenische Führung für den Tod Estemirowas verantwortlich.
dpa/rts
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