Dritte FestnahmeTrauerfeier in Banbridge
Am Tag der Beerdigung des von Untergrundkämpfern getöteten nordirischen Polizisten haben Ermittler einen dritten Tatverdächtigen festgenommen.
Am Tag der Beerdigung des von Untergrundkämpfern getöteten nordirischen Polizisten haben Ermittler einen dritten Tatverdächtigen festgenommen. Es handele sich um einen etwa 20 Jahre alten Mann, teilte die Polizei mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Wenige Stunden zuvor war der erschossene Polizist Stephen Carroll unter Anteilnahme auch von Vertretern der Sinn-Fin-Partei in seinem Heimatort Banbridge im nordirischen County Down beigesetzt worden.
Mehrere hundert Menschen nahmen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen an der Trauerfeier für Carroll teil. Unter den Gästen waren der britische Nordirland-Minister Shaun Woodward, der Justizminister der Republik Irland, Dermot Ahern, der nordirische Polizeichef Hugh Orde sowie zwei Vertreter von Sinn Fin, dem ehemaligen politischen Arm der Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Eine Abspaltung der IRA hatte sich dazu bekannt, den Polizisten am Montag in der Kleinstadt Craigavon mit einem Kopfschuss getötet zu haben.
Bislang keine Anklage
Carroll, ein Katholik, ist der erste Polizist seit zehn Jahren, der in Nordirland getötet wurde. Zwei nach der Tat festgenommene 37 und 17 Jahre alte Männer müssen zu Befragungen weitere fünf Tage in Polizeigewahrsam bleiben. Bislang wurde noch keine Anklage erhoben.
Dass erstmals auch Vertreter von Sinn Fin an einer Trauerfeier für einen Polizisten teilnahmen, werteten Beobachter als Zeichen für den fortgeschrittenen Friedensprozess in Nordirland. Die Gewalt zwischen Katholiken und Protestanten war nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 weitgehend beendet worden. Vor zwei Jahren einigten sich die protestantische Unionistenpartei (DUP) und Sinn Fein auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung. Das Friedensabkommen verpflichtet die Parteien, eine Regierung zu bilden, die Unionisten und Republikaner einschließt.
UDA würdigt "Mut" von Sinn Fin
Der Sprecher der einstigen Untergrundgruppe Ulster Defence Association (UDA), Jackie McDonald, würdigte das Verhalten von Sinn Fin als "sehr mutig". Die protestantische Gemeinschaft fühle sich dadurch in dem Gefühl bestärkt, dass nicht mehr die Lagerzugehörigkeit zähle, sondern das gemeinsame Streben nach dem Erhalt des Friedens. Und auch der als Hardliner bekannte Protestantenführer und Ex-DUP-Chef Ian Paisley sprach in einem Zeitungsbeitrag von der "Entschlossenheit, nie mehr in die blutige Vergangenheit" zurückkehren zu wollen.
Zwei Tage vor dem Mord an dem Polizisten waren zwei 21 und 23 Jahre alte britische Soldaten in Antrim nordwestlich von Belfast erschossen worden. Ihrer war bereits am Donnerstag in einer Trauerfeier in ihrer Kaserne gedacht worden. Zu der Tat hatte sich eine weitere IRA-Abspaltung bekannt. Die Taten riefen in Nordirland Sorge um ein erneutes Aufflammen des Konflikts hervor.