Politik
(Foto: AP)

Prozess um tödliche Arznei-Tests: US-Depesche belastet Pfizer

Offenbar mit fragwürdigen Tricks versuchte der Pharma-Riese Pfizer, sich Vorteile in einem Prozess um Medikamententests zu verschaffen, bei denen in Nigeria mehrere Kinder starben. Aus Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass das Unternehmen zumindest plante, den Staatsanwalt unter Druck zu setzen. Weitere neue Depeschen handeln von Birma und Kriegsverbrecher Mladic.

Der Pharma-Konzern Pfizer wollte nach Erkenntnissen von US-Diplomaten einen nigerianischen Staatsanwalt unter Druck setzen, um hohen Strafzahlungen nach dem Tod von Kindern bei einem Medikamenten-Test zu entgehen. Das geht aus neuen Depeschen aus den Wikileaks-Beständen hervor.

Fiddausi Abdullahi Madaki ist ein Opfer der Tests.
Fiddausi Abdullahi Madaki ist ein Opfer der Tests.(Foto: REUTERS)

Die Depesche aus Nigeria wirft ein neues Licht auf einen altbekannten Fall. Pfizer hatte 1996 während einer schweren Meningitis-Epidemie in der nigerianischen Provinz Kano 100 Kindern das neue Medikament Trovan verabreicht. Fünf von ihnen starben, einige trugen bleibende Gesundheitsschäden davon. Später gab es Vorwürfe, die Zustimmung der Eltern sei nicht ordnungsgemäß eingeholt worden; die Behörden klagten. Der Pharmakonzern betonte, alles sei rechtmäßig verlaufen und die Todesfälle gingen allein auf die Krankheit zurück. Von weiteren 100 Kindern, die von Pfizer-Ärzten zum Vergleich mit einem damals meistgenutzten anderen Medikament behandelt worden waren, starben nach Angaben des Konzerns sechs.

Chart

Pfizer setzte dem jahrelangen Streit zunächst im Oktober 2009 ein vorläufiges Ende mit der Zahlung von 75 Millionen Dollar, nachdem zeitweise bis zu 8 Milliarden Dollar an Straf- und Schadenzahlungen verlangt worden waren. Nun kommt mit dem Botschaftsdokument heraus, dass Pfizer versuchte, Korruptionsvorwürfe gegen den nigerianischen Staatsanwalt auszugraben, um ihn unter Druck zu setzen. Das habe ein damaliger Manager in dem Land freimütig in der Botschaft erzählt. Die Depesche von April 2009 enthält jedoch keine Hinweise darauf, wie die Aktion ausging. Das Entschädigungsverfahren gegen Pfizer wurde kürzlich dann wieder aufgenommen.

Gerüchte über Mladic

In einem weiteren Diplomaten-Bericht wird der Verdacht geäußert, dass Russland mehr über den Aufenthaltsort des wegen Kriegsverbrechen gesuchten bosnischen Serben-Generals Ratko Mladic weiß und dass das Militärregime in Birma möglicherweise an einem Raketenprogramm arbeitet.

US-Diplomaten in Birma berichteten nach Washington bereits im August 2004 unter Berufung auf Augenzeugen von mehreren hundert Nordkoreanern, die in einer Militäranlage in dem Land Raketen zusammenbauen. Zudem werde dort an einer gewaltigen unterirdischen Anlage gearbeitet. Bereits seit Jahren wird darüber spekuliert, dass das Regime in Birma an einem Raketen- und Atomprogramm arbeite. Der Botschaftsbericht dürfte eine der Quellen für diese Gerüchte sein.

Mladic sollte eigentlich vor Gericht stehen.
Mladic sollte eigentlich vor Gericht stehen.(Foto: dpa)

Der US-Eindruck, Russland könnte mehr über den Aufenthaltsort Mladics wissen, beruht auf Informationen aus serbischen Regierungskreisen. Sie berichteten den Amerikanern im Sommer 2009 vertraulich von auffälligen Kontakten von Mladics Entourage mit ranghohen Moskauer Offiziellen. Belgrad geht demnach davon aus, dass sich Mladic in Serbien versteckt, "möglicherweise mit Hilfe ausländischer Quellen". Der General soll vor das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für die opferreiche Belagerung Sarajevos und das Massaker von Srebrenica.

Falsche Wikileaks-Enthüllungen

Mehrere große Zeitungen in Pakistan sind unterdessen auf gefälschte Wikileaks-Enthüllungen hereingefallen, wonach sich angeblich US-Diplomaten verheerend über den Erzrivalen Indien äußerten. "The Express Tribune", die mit der "International Herald Tribune" kooperiert, entschuldigte sich dafür bei ihren Lesern. Das Blatt habe die von der pakistanischen Nachrichtenagentur "Online" verbreitete Geschichte "ohne notwendige Verifizierung" übernommen.

Landesweite Zeitungen hatten die Agentur-Meldung gedruckt. Der britische "Guardian" hatte anschließend berichtet, dass sich in den Wikileaks-Datenbanken keine entsprechenden Botschaften von US-Diplomaten finden ließen. Der "Guardian" schrieb vom "ersten Fall, in dem Wikileaks für Propaganda-Zwecke ausgenutzt wird".

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen