Sonntag, 16. November 2008
Geheimabkommen mit Pakistan: US-Luftschläge erlaubt
Die USA haben angeblich eine stillschweigende Vereinbarung mit Pakistan über US-Raketen-Angriffe auf vermutete Extremistenstellungen im Westen des Landes erzielt. Die "Washington Post" berichtete, beide Seiten seien im September übereingekommen, dass Washington die Aktionen nicht öffentlich zugebe, während Pakistan weiter lautstark gegen die politisch umstrittenen Angriffe protestieren könne.
US-Raketenangriffe durch unbemannte Flugkörper auf Ziele in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen und sorgen für wachsenden Unmut in der Bevölkerung.
Bodenangriffe ausgesetzt
Aus der Region heraus greifen radikalislamische Taliban- und Al-Kaida-Anhänger immer wieder Ziele in Pakistan und auch im benachbarten Afghanistan an. Die pakistanische Regierung - offiziell ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus - hat mehrfach ein Ende der Angriffe gefordert.
Zeitgleich mit der Übereinkunft seien Militäraktionen von US-Soldaten am Boden in dem Gebiet ausgesetzt worden, berichtete die "Washington Post" weiter. Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari habe vor kurzem erklärt, er habe keine Kenntnis von Bodenangriffen in jüngster Zeit.
"Ein kluger Mittelweg"
Pakistan hatte Anfang September bei den USA gegen eine grenzüberschreitende Militäraktion im Nordwesten des Landes protestiert. Nach pakistanischen Angaben starben damals mindestens 20 Menschen, darunter Frauen und Kinder. Von Hubschraubern abgesetzte Soldaten hätten den Angriff am Boden durchgeführt.
Ein pakistanischer Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Zeitung, die Übereinkunft mit den USA sei im Moment "ein kluger Mittelweg". Die präzisen Drohnen-Attacken seien eine bedeutende Verbesserung im Kampf gegen die Extremisten, die von Pakistan aus operieren, hieß es.
K ämpfe im Stammesgebiet
Bei schweren Gefechten im pakistanischen Stammesgebiet entlang der Grenze zu Afghanistan sind unterdessen mindestens 13 Menschen getötet worden, darunter 4 Zivilisten. Wie ein lokaler Regierungssprecher mitteilte, nahmen Armeehubschrauber im Distrikt Tanai einen Konvoi radikalislamischer Kämpfer unter Beschuss. Die Region gilt als Rückzugsgebiet von Taliban und Al-Kaida-Terroristen, die jenseits der Grenze in der afghanischen Provinz Kunar Soldaten der US-geführten internationalen Truppen angreifen. Die Gefechte zogen sich über Stunden hin, hieß es.
Im benachbarten Stammesgebiet Mohmand kamen drei Zivilisten ums Leben, als eine von Regierungstruppen abgefeuerte Mörsergranate irrtümlich ein Wohnhaus traf. "Ein solcher Unfall war leider vorherzusehen, da sich die Taliban in Wohngebieten verstecken", sagte ein Militärsprecher. Bei anderen ähnlichen Zwischenfällen in der Region starb den Angaben zufolge ein weiterer Zivilist, mehrere Menschen wurden verletzt.
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