Mittwoch, 24. November 2010
Wikileaks zeigt aktuelle Dokumente: USA verschicken Alarm-Mails
Die US-Regierung hat sich besorgt über eine mögliche Veröffentlichung von Geheimdokumenten aus dem Außenministerium auf der Enthüllungsplattform Wikileaks gezeigt. Das Pentagon habe den US-Kongress in einer E-Mail davor gewarnt, dass die Papiere "eine enorme Spannbreite an sehr sensiblen außenpolitischen Themen" berühren, berichteten US-Medien. Demnach könnten bereits am 26. November Hunderttausende interne Papiere aus dem State Department ans Tageslicht kommen.
Auch der Außenamtssprecher Philip Crowley äußerte sich beunruhigt: "Das wird der nationalen Sicherheit schaden und Menschenleben gefährden", sagte er dem US-Fernsehsender NBC. Die Papiere enthielten geheime Informationen aus dem diplomatischen Tagesgeschäft. Crowley sprach von "Diplomatie in Aktion". Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" könnten Teile aus dem Schriftverkehr über Häftlinge im Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba zugänglich gemacht werden.
Gefährdete Quellen
Die amerikanischen Auslandsvertretungen hätten bereits begonnen, andere Regierungen weltweit über die möglichen Veröffentlichungen zu unterrichten, sagte Crowley. Auch laut der Mail aus dem Verteidigungsministerium könnten die Dokumente den außenpolitischen Beziehungen der USA schaden. Das Pentagon habe seine spezielle Arbeitsgruppe für den Umgang mit Wikileaks-Veröffentlichungen wieder aufgestockt, hieß es in Medienberichten. Es befürchte, selbst betroffen zu sein, weil seine Quellen für Geheimdienstinformationen aufgedeckt werden könnten.
Den Pentagon-Erkenntnissen zufolge koordinieren der deutsche "Spiegel", die "New York Times" und der britische "Guardian" derzeit eine gemeinsame Veröffentlichung von Berichten über die Dokumente. Diese Medien hatten bereits im Juli kooperiert, als Wikileaks 75.000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan zugänglich gemacht hatte.
Wikileaks-Aktivisten hatten bereits über Twitter mitgeteilt, das neue Material werde den siebenfachen Umfang der geheimen Logbucheinträge aus den USA zum Irak-Krieg haben, die im Oktober veröffentlicht worden waren. Allein dieser Datensatz mit internen Feldprotokollen der US-Armee hatte mehr als 400.000 Dokumente umfasst.
dpa
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