Montag, 07. Juni 2010
Angriff auf Al Kaida im Jemen: US-Splitterbomben abgefeuert
Im Dezember wird die jemenitische Ortschaft El Maadschala angegriffen, wo sich ein Ausbildungslager von Al Kaida befinden soll. Doch es sterben überwiegend Zivilisten. Amnesty International will nun Aufklärung, warum bei dem Angriff US-Splitterbomben zum Einsatz kamen.Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat von den USA Aufklärung über ihre Rolle bei einem verheerenden Angriff mit international geächteter Streumunition im Jemen gefordert. Die Organisation veröffentlichte in London Bilder von einer eingeschlagenen US-Rakete mit Splitterbomben. Die Aufnahmen sollen nach dem Angriff auf ein Ausbildungslager von Al-Kaida-Terroristen in der Provinz Abjan im vergangenen Dezember gemacht worden sein. Dabei starben nach AI-Angaben 41 Einheimische, darunter 21 Kinder und 14 Frauen. Außerdem wurden 14 mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder getötet.
Die Menschenrechtsorganisation kritisierte das Vorgehen. "Ein Militärschlag dieser Art gegen mutmaßliche Kämpfer ohne einen Versuch ihrer Festnahme ist zumindest gesetzeswidrig", sagte Amnestys Nahost-Vizechef Philip Luther. "Die Tatsache, dass so viele Opfer Frauen und Kinder waren, verdeutlicht, dass der Angriff tatsächlich extrem unverantwortlich war."
Kein rein jementitischer Angriff
Eine Streubombe, die nicht explodierte.
(Foto: REUTERS)
Jemen hat bislang die alleinige Verantwortung für den Vorfall übernommen. Jedoch berichteten US-Medien laut AI-Recherchen kurz nach der Angriff über Informationen von ungenannten Regierungsquellen, dass US-Marschflugkörper auf Befehl von Präsident Barack Obama abgefeuert worden seien. Die Fotos von dem Angriffsort zeigen eine Rakete vom Typ BGM-109 Tomahawk sowie eine Streubombe des Typs BLU 97 A/B. Beide Waffen besitzen laut Amnesty nur die US-Streitkräfte. Die jemenitische Luftwaffe könne diese Waffen nicht abfeuern.
Die Tomahawk-Rakete ist für den Transport von 166 Streubomben konzipiert. Eine Streubombe explodiert in mehr als 200 Stahlsplitter, die im Umkreis von 150 Metern Verletzungen verursachen können. Das internationale Übereinkommen zum Verbot von Streumunition haben 94 Staaten Ende 2008 unterzeichnet. Die USA und Jemen waren nicht dabei. Das Abkommen tritt am 1. August in Kraft.
dpa
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