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Die schwul-lesbische Gemeinde ist gerade nicht gut auf Obama zu sprechen.
Die schwul-lesbische Gemeinde ist gerade nicht gut auf Obama zu sprechen.(Foto: REUTERS)

Obama und die Schwulen-Ehe: Wut am Ende des Regenbogens

von Sebastian Schöbel

Obama hat Ärger mit einigen seiner treuesten Fans: die Lesben und Schwulen der USA. Denn die Legalisierung der Homo-Ehe unterstützt er nicht. Ganz anders als sein Vizepräsident Biden, der sich offen dafür ausspricht - und Obama damit unter Druck setzt.

Der notorische Erzählonkel rettet dem Vollblut-Rhetoriker den Hals: Weil Barack Obama vom frechen US-Kongress der Teleprompter wegrationiert wird, muss die Geheimwaffe des Weißen Hauses zur Hilfe eilen. Auftritt Biden. Joe Biden. Vizepräsident der USA und "ein Mann, der sich von keiner vorbereiteten Ansprache je hat aufhalten lassen". Er lehrt Obama das freie Sprechen und gibt ihm seine Stimme zurück. Es ist die vielleicht schönste Geschichte beim alljährlichen Treffen der Regierungskorrespondenten 2011 - und natürlich nur ein Scherz, eine filmische Hommage des Obama-Teams an die Nummer 2 im Staat.

Fast genau ein Jahr später ist die Stimmung zwischen Obama und Biden nicht mehr so beschwingt. Im Gegenteil: Der Präsident ist Berichten zufolge sauer auf seinen Stellvertreter. Denn Biden hat mitten im Wahlkampf eine Baustelle aufgemacht, die Obama so gar nicht brauchen kann.

"Wichtig ist nur, wen du liebst"

Jovial, direkt und für manche zu ehrlich: Vizepräsident Joe Biden.
Jovial, direkt und für manche zu ehrlich: Vizepräsident Joe Biden.(Foto: REUTERS)

Als ihn TV-Moderator David Gregory in seiner Sendung fragt, wie er zur Homo-Ehe steht, laviert Biden zunächst herum. "Der Präsident macht die Politik", so Biden. Und die sieht eine Legalisierung der Homo-Ehe nicht vor. Doch die Antwort stellt ihn offenbar selbst nicht zufrieden, und er legt nach. "Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten." Am Tag darauf berichten die US-Medien: Biden unterstützt die Ehe schwuler Pärchen - und Obama nicht.

Für den Präsidenten ist es die schmerzhafte Erinnerung an ein Versprechen, das er eigentlich nie gegeben hat, dessen Erfüllung aber trotzdem von ihm erwartet wird. Die US-amerikanischen Schwulen und Lesben kämpfen seit Jahren um ihre gesellschaftliche und juristische Gleichstellung. In Obama sehen sie nun ihre beste Chance, auch das größte Ziel zu erreichen: die landesweite Legalisierung der Homo-Ehe.

Schwulen-freundliche Politik

Mit der Abschaffung der Diskriminierung von homosexuellen Soldaten und Soldatinnen hat Obama 2011 bereits einen historischen Meilenstein gesetzt. Dazu kommen weitere Gesetze, zum Beispiel das Verbot, gleichgeschlechtlichen Partnern Krankenhausbesuche zu verweigern. Den Versuch konservativer Politiker, die Ehe in der Verfassung als Bund zwischen Mann und Frau festzuschreiben, konnte seine Regierung bisher ebenfalls vereiteln.

Bilderserie

Doch ausgerechnet bei der Homo-Ehe ist Obama zurückhaltend. Seine Ansicht dazu "entwickelt sich noch", sagt er immer. Im Wahlkampf 2008 sprach er sich lediglich für eingetragene Partnerschaften aus, weiter wollte Obama nicht gehen. Nun hat ausgerechnet sein Vizepräsident durchblicken lassen, dass er in seiner persönlichen Entwicklung schon sehr viel weiter ist.

Das Weiße Haus blockt ab

Obamas Team reagierte am Montag umgehend und zum Teil deutlich verärgert. "Nicht sehr hilfreich" seien die Aussagen Bidens, so ein anonymer Mitarbeiter des Präsidenten in der "New York Times". Obamas Sprecher Jay Carney bezeichnete das Medienecho als "eine Überreaktion" und zündete in bester PR-Manier eine Nebelkerze. "Der Vizepräsident unterstützt die Politik des Präsidenten bei schwul-lesbischen Themen", so Carney. Die Frage, ob das auch umgekehrt so sei, blockte er ab.

Denn Obama will eine Wahl gewinnen, und dafür kann er eine Debatte über seine Meinung zur Homo-Ehe gerade nicht brauchen. Zwar wird die laut einer aktuellen Umfrage von der Hälfte aller US-Amerikaner unterstützt. Viele Schwarze aber sind streng dagegen. In den afro-amerikanischen Gemeinden ist man zwar noch immer von Obama begeistert, aber auch tief religiös. Die Ehe ist hier eine von der Bibel definierte Institution. Auch moderate Konservative, deren Stimmen Obama im Herbst gewinnen will, halten wenig vom Ringetausch zwischen zwei Männern oder zwei Frauen.

Zoff zwischen Alliierten

Schwul-lesbische Aktivisten hingegen sind tief enttäuscht. Laut Greg Sargent, einem Blogger der "Washington Post", drohen einige Gruppen sogar damit, für Obamas Kampagne in nächster Zeit kein Geld mehr zu spenden. Sie fordern, dass Obama seinen guten Willen zeigt und zum Beispiel per Dekret die Diskriminierung von schwulen Bewerbern um Aufträge des Staates verbietet. Auch das hat Obama bisher abgelehnt, er will das Verbot stattdessen vom Kongress beschlossen sehen. Dort aber hat es wegen der republikanischen Opposition kaum eine Chance.

Dass der Streit zwischen dem Regenbogen-Lager und der Obama-Regierung am Ende die Wiederwahl des Präsidenten gefährdet, ist jedoch unwahrscheinlich. Denn was Homosexuelle von den Republikanern zu erwarten haben, erleben sie gerade in North Carolina. Dort wollen die Konservativen Homo-Ehen per Referendum verbieten lassen.

Quelle: n-tv.de