Montag, 06. April 2009
Streit um Polarregionen: USA rufen zum Schutz auf
Die USA wollen Konflikten um die künftige Nutzung der Polarregionen aktiv vorbeugen. US-Außenministerin Hillary Clinton rief am Montag auf einer internationalen Konferenz zum Schutz von Arktis und Antarktis in Baltimore dazu auf, Streitigkeiten etwa bei der Erschließung neuer Bodenschätze oder neuer Wasserwege friedlich zu lösen. Ihr Land wolle dabei besonderen Wert auf Umwelt- und Klimaschutz in der Region legen.
Der Rückgang des Polareises und die bessere Zugänglichkeit insbesondere der Arktis infolge der Erderwärmung werde "langfristige Auswirkungen auf die Zukunft unseres Planeten haben", sagte Clinton bei der ersten gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Arktisrats und des Antarktisvertrags. Die USA wollten daher eng mit den Anrainerstaaten zusammenarbeiten, um angesichts der Veränderungen "Frieden und Sicherheit auszubauen, die Wirtschaft zu fördern und die Umwelt zu schützen", sagte Clinton bei dem Treffen, an dem Vertreter von rund 60 Staaten und Organisationen teilnehmen.
Die Ministerin kündigte an, dass die US-Regierung als konkreten Schritt auf die Ratifizierung der UN-Seerechtskonvention drängen wolle, die auch die Polarmeere betrifft. Die US-Regierung hatte den Text während der Präsidentschaft ihres Mannes Bill 1994 unterschrieben, der Kongress verweigerte ihm bislang aber die nötige Zustimmung.
Wettlauf um Rohstoffe
Die USA, Russland, Dänemark, Norwegen und Kanada streiten um ihre Ansprüche in der rohstoffreichen Arktis. Unter dem Eis wird rund ein Viertel der weltweit vorhandenden Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet, durch die Gletscherschmelze lassen sich diese vermutlich bald ausbeuten. Wer die unter dem Polareis versteckten Rohstoffe nutzen darf, ist jedoch umstritten. Russland hatte 2007 für heftige Proteste gesorgt, als es zum Zeichen seines Anspruchs auf die Rohstoffvorkommen eine russische Flagge auf dem Grund des Ozeans hisste.
Ein weiteres potenzielles Streitthema ist die Nutzung von Wasserwegen, sollte die Eisschmelze das Nordpolarmeer für die Schifffahrt zugänglich machen. Eine Schiffsverbindung zwischen Atlantik und Pazifik über die Nord-West-Passage entlang der kanadischen Nordküste könnte die Frachtgebüren zwischen Japan und Europa um 40 Prozent senken, sagte der norwegische Außenminister Jonas Gahr Store. Kanada betrachtet die Route als Teil seiner Hoheitsgewässer, die USA und andere sehen sie als internationale Wasserstraße.
In Baltimore findet im Anschluss an das derzeitige Treffen bis zum 17. April die jährliche Sitzung des Antarktisvertrags (ATCM) statt. Der Vertrag, der vor 50 Jahren in Washington unterzeichnet worden war, legt fest, dass das unbewohnte Gebiet ausschließlich friedlich genutzt werden soll.
Warnung vor Zusammenbruch der Ökosysteme
Der Umweltschutzorganisation WWF warnte anlässlich des Treffens vor einem Zusammenbruch der Ökosysteme am Nord- und Südpol. "Ein Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um zwei Grad ist definitiv zu viel für unsere Polregionen", warnte Rob Nicoll vom Antarktis-Programm des WWF. Am Südpol beobachteten Wissenschaftler derzeit mit großer Sorge, "wie Eisschelfe von der Größe kleiner Länder wegbrechen und verloren gehen". Der Nordpol könne binnen einer Generation im Sommer komplett eisfrei sein.
AFP
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