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Auf dem Maidan in Kiew versammelten sich Tausende Ukrainer, um an Todesopfer vor einem Jahr zu erinnern.
Auf dem Maidan in Kiew versammelten sich Tausende Ukrainer, um an Todesopfer vor einem Jahr zu erinnern.(Foto: dpa)

Ein Jahr nach dem Machtwechsel: Ukrainer gedenken der Maidan-Toten

Vor einem Jahr enden die pro-westlichen Proteste auf dem Maidan in Kiew blutig. Tausende Ukrainer versammeln sich nun zu einem zentralen Gedenken. Präsident Poroschenko wirft Russland in seiner Rede erneut vor, für die tödlichen Schüsse verantwortlich zu sein.

Tausende Ukrainer haben in Kiew der fast hundert Toten gedacht, die bei den pro-europäischen Massenprotesten vor einem Jahr erschossen worden waren. Viele verharrten weinend und sich bekreuzigend vor den Fotos der Toten, welche die "himmlischen Hundert" genannt werden. Höhepunkt war eine zentrale Gedenkfeier auf dem Maidan-Platz, an der auch Präsident Petro Poroschenko teilnahm.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bekräftigte seine Anschuldigungen gegenüber Russland.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bekräftigte seine Anschuldigungen gegenüber Russland.(Foto: dpa)

Rotes Licht beleuchtete die Straße, in der die Demonstranten von Sicherheitskräften erschossen worden waren. Auf riesigen Leinwänden wurden Bilder von einigen der Opfer gezeigt. Nach einer Schweigeminute stimmten die Menschen auf dem Maidan gemeinsam die Nationalhymne an, das Staatsorchester spielte Mozarts Requiem.

"Sie standen Seite an Seite, Leute unterschiedlichster Herkunft und Religion", sagte Poroschenko. "Diese Revolution war die erste und - was noch wichtiger ist - der erste erfolgreiche Kampf im Krieg für die Unabhängigkeit", erklärte er weiter. Russland warf er vor, weiterhin Panzer und Grad-Raketen in die Ostukraine zu schicken, um das Nachbarland unter seinem Einfluss zu halten.

Trauer vermischt sich mit Wut

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Den ganzen Tag schon hatten die Menschen in Kiew um die Toten getrauert. Sie legten Blumen nieder, nahmen an einer Andacht auf dem Maidan teil und sangen vor einem Denkmal patriotische Lieder. In die Trauer mischte sich Wut darüber, dass auch ein Jahr nach der Gewalteskalation die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen worden sind.

Die tödlichen Schüsse sollen Sicherheitskräfte des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch abgefeuert haben, aber auch gewaltbereite Demonstranten selbst gerieten in den Verdacht. Nur zwei einfache Bereitschaftspolizisten sind angeklagt und warten auf ihren Prozess.

Bislang mehr als 5000 Todesopfer

Im Gespräch mit den Angehörigen warf Poroschenko Moskau vor, direkt in die Gewalt verwickelt gewesen zu sein. Dem Geheimdienst lägen Aussagen von Polizisten vor, wonach Putin-Berater Wladislaw Surkow den Einsatz von "Gruppen von Heckenschützen" organisiert haben soll, hieß es dazu in einer Erklärung des Präsidialamts. Die Ermittler seien zudem im Besitz von Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen Janukowitsch und russischen Sicherheitsvertretern, in denen über "Vorbereitungen der Schießereien" gesprochen werde. Der Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch, bezeichnete die Vorwürfe als "völliges Delirium".

Die Gewalteskalation nach den monatelangen Protesten hatte schließlich zum Sturz Janukowitschs geführt. Doch der Machtwechsel in Kiew brachte dem Land keine Ruhe, in den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Osten wurden inzwischen mehr als 5000 Menschen getötet.

Die Annexion der Krim-Halbinsel wenige Wochen nach Janukowitschs Flucht sowie die Kämpfe in der Ostukraine behindern bis heute auch die Aufarbeitung der Maidan-Ausschreitungen. Immer noch steht nicht fest, wie viele Menschen vermisst werden.

Am Sonntag gedenkt Präsident Poroschenko in Kiew mit ausländischen Gästen der Maidan-Proteste. Aus Deutschland reist Bundespräsident Joachim Gauck an, um "ein Zeichen der Solidarität mit der ukrainischen Demokratiebewegung zu setzen", wie das Bundespräsidialamt mitteilte.

Quelle: n-tv.de

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