Politik
Der Nationalstolz wird in Ungarn mit viel Pomp zelebriert: Am Freitag wurde der Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges von 1848 gefeiert.
Der Nationalstolz wird in Ungarn mit viel Pomp zelebriert: Am Freitag wurde der Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges von 1848 gefeiert.(Foto: dpa)

Staatliche Auszeichnungen vergeben: Ungarn ehrt Rassisten

Ein Fernsehmoderator nennt Roma "Menschenaffen", ein Archäologe wirft den Juden des Mittelalters Sklavenhandel vor, eine Band besingt ein Großungarn. Was sie gemeinsam haben? Sie sind Ungarn und erhalten hohe staatliche Auszeichnungen.

Ungarns rechtskonservative Regierung hat hohe staatliche Auszeichnungen an Personen vergeben, die für ihre antisemitischen und rechtsextremen Äußerungen bekannt sind. Nach ungarischen Medienberichten vom Wochenende erhielt der Fernsehmoderator Ferenc Szaniszlo zum Nationalfeiertag am 15. März den Tancsics-Preis, die höchste staatliche Ehrung für Journalisten.

Szaniszlo hatte in dem der Regierungspartei Fidesz nahestehenden Sender Echo TV antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet und die Minderheit der Roma als "Menschenaffen" diffamiert. Die staatliche Medienaufsichtsbehörde hatte den Sender deshalb 2011 mit einer Geldstrafe belegt.

"Hausband" der extremen Rechten

Mit dem Verdienstorden ausgezeichnet wurde der Archäologe Kornel Bakay, der von Jesus Christus behauptet, er sei kein Jude, sondern ein Prinz aus dem - angeblich mit den Ungarn verwandten - alt-iranischen Volk der Parther gewesen. Außerdem unterstellt er den Juden, im Mittelalter Sklavenhandel organisiert zu haben.

Das Goldene Verdienstkreuz erhielt der Leadsänger der Rockband "Karpatia", Janos Petras. Die Formation gilt als die "Hausband" der rechtsextremen Parlamentspartei Jobbik. Sie schuf auch den Marsch für die inzwischen verbotene, von der Jobbik ins Leben gerufene paramilitärischen Ungarische Garde. Die Band besingt in ihren Texten die "unbefleckte Nation" und ruft zu gewaltsamen Veränderungen der Grenzen Ungarns auf.

Der für die Preise zuständige Minister für menschliche Ressourcen, Zoltan Balog, nannte die Ehrung Szaniszlos "bedauerlich". Er habe von den antisemitischen Äußerungen des Fernsehmannes nicht gewusst, sagte er. Für eine Aberkennung der Auszeichnung gebe es aber keine juristische Handhabe. Zu den anderen umstrittenen Ehrungen äußerte sich Balog nicht.

Aus Protest gegen die Vergabe des Journalisten-Preises an Szaniszlo gaben mehr als zehn frühere Tancsics-Preisträger ihre Auszeichnung zurück. Oppositionelle Kommentatoren werteten die Ehrung rechtsextremer Persönlichkeiten als Geste der Regierung an die Jobbik und an die extreme Rechte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen