Samstag, 15. Dezember 2007
Warme Wohnung, kaltes Essen: Versorger quetschen Arme aus
Die steigenden Strom- und Heizkostenpreise treiben dem Wohlfahrtsverband Caritas zufolge immer mehr Arbeitslosengeld-II-Empfänger in extreme finanzielle Notlagen. "Wir hören inzwischen vermehrt, dass warme Mahlzeiten in armen Familien vom Speiseplan gestrichen werden, um Strom zu sparen", sagte der Freiburger Caritas-Experte für Armutsfragen, Alfred Schleimer. "Oft haben die Menschen Angst, dass ihnen der Strom abgestellt wird - mancher hungert dann lieber, um das zu vermeiden."
So berichtet der bayerische Landesverband der Caritas von einer alleinerziehenden Mutter mit einem siebenjährigen Sohn, die angab, sie habe wochenlang nur Nudeln und Reis gegessen, um Geld für die Strom- und Wasserrechnung zu sparen. Nach ihren Angaben war ihr zuvor vier Wochen lang wegen Zahlungsrückständen der Strom abgestellt worden.
"In solchen Fällen sind die Versorger oft knallhart", sagte Schleimer. Wenn noch mehr Anbieter ihre Preise erhöhten, träten solche Fälle künftig häufiger auf. Es sei daher wichtig, dass der Staat mögliche Nachzahlungen übernehme, um Betroffene vor einer Schuldenfalle zu bewahren. Laut dem Internet-Verbraucherportal Verivox wollen mehr als 318 Grundversorger zum Jahresbeginn die Strompreise um bis zu 25 Prozent anheben. Das Arbeitslosengeld II beträgt derzeit 347 Euro im Monat.
Problematisch sei, dass die so genannten Hartz-IV-Empfänger die Stromkosten - anders als die Heizkosten - aus ihren monatlichen Leistungen selbst aufbringen müssten, erklärte der Experte. "Das führt immer öfter dazu, dass Betroffene bei Preisanhebungen überfordert sind."
Spezielle Sozialtarife beim Strom, wie sie die Partei Die Linke fordere, seien jedoch der falsche Weg. Sinnvoller sei es, Energiesparlampen und Wasserspartechnik in den Haushalten von Bedürftigen zu finanzieren. "Dadurch schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Man wirkt den steigenden Kosten entgegen und schont die Umwelt." Einen Sozialtarif will etwa der Stromkonzern E.ON ab dem 1. Januar anbieten.
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