Ex-Präsident angeblich im KomaVerwirrung um Mubarak

Der gestürzte ägyptische Präsident Mubarak soll ins Koma gefallen sein, berichtet sein Anwalt. Das Krankenhaus in Scharm el-Scheich teilt dagegen mit, er werde nur wegen niedrigen Blutdrucks behandelt. Beobachter meinen, mit Meldungen über seinen schlechten Gesundheitszustand versuche Mubarak sein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit zu verbessern.
Über den Gesundheitszustand des früheren ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak gibt es widersprüchliche Berichte. Seinem Anwalt zufolge ist der gestürzte Staatschef ins Koma gefallen. Er sei über eine plötzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes informiert worden, sagte der Jurist Farid el-Deeb, ohne weitere Details zu nennen. Das staatliche Fernsehen berichtete dagegen, der Krankenhausdirektor habe die Einschätzung des Anwalts zurückgewiesen. Ein Arzt sagte, Mubarak falle gelegentlich ins Koma, der Zustand sei aber stabil. Er werde derzeit nur wegen niedrigen Blutdrucks behandelt.
Mubarak wurde im Februar durch einen Volksaufstand gestürzt. Er befindet sich in einem Krankenhaus in Scharm el-Scheich. Ab August soll sich der ehemalige Staatschef eigentlich vor Gericht verantworten. Ihm werden die Tötung von Demonstranten und Machtmissbrauch vorgeworfen. Der 83-Jährige weist die Vorwürfe zurück. Während der Demonstrationen gegen ihn kamen 840 Menschen ums Leben.
Unter Ägyptern hält sich der Vorwurf, die Armee schiebe eine vermeintlich schlechte Gesundheit des früheren Chefs der Streitkräfte vor, um einen Prozess hinauszuschieben. "Die Nachricht, dass er sich in einem schlechten Zustand befindet, kommt immer mal wieder und soll Mitleid in der Bevölkerung erregen", sagte der politische Analyst und Aktivist Hassan Nafaa. Nach Angaben seines Anwalts leidet Mubarak an Krebs.
Regierung in der Krise
Derweil ist der ägyptische Außenminister Mohamed Al Orabi kurz vor einer geplanten Kabinettsumbildung zurückgetreten. Ministerpräsident Essam Sharaf nahm den Rücktritt nach an. Eine Begründung für den Schritt wurde nicht genannt. Der langjährige ägyptische Botschafter in Deutschland hatte erst im Juni sein Amt angetreten.
Ministerpräsident Sharaf hatte angesichts fortgesetzter Proteste eine umfassende Regierungsumbildung angekündigt. Demonstranten legen seit Tagen den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos lahm. Sie fordern den Rücktritt von Ministern, die unter dem gestürzten Präsidenten Mubarak wichtige Ämter bekleideten oder Verbindungen zur Regierungspartei Mubaraks hatten. Das neue Kabinett soll spätestens an diesem Montag vorgestellt werden.
Am Sonntag ernannte Sharaf den Ökonomen Hazem Beblawi zum neuen Finanzminister. Er tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Samir Radwan an, der im Februar noch von Mubarak ernannt worden war.