Montag, 13. Juli 2009
Wie weiter in Nordkorea?: Vier Szenarien
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il leidet einem Bericht zufolge unter lebensbedrohlichem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der 67-jährige soll vergangenen August schon einen Schlaganfall erlitten haben. Die Meldungen über Kims Krankheiten werfen Fragen über seine Nachfolge und über die Kontrolle der Atomwaffen des abgeschotteten kommunistischen Staates auf. Es folgen vier Szenarios, wie es in den kommenden Monaten und Jahren weitergehen könnte.
Reibungsloser Übergang
Je länger Kim Jong Il relativ gesund bleibt, desto größer ist die Möglichkeit, dass er die Macht an seinen jüngsten Sohn, den 25-jährigen Kim Jong Un, weitergeben könnte. Kim junior hätte 15 bis 20 Jahre, um seine Position zu festigen und die Kim-Dynastie fortzuführen. Er hat angeblich die Unterstützung der Nummer Zwei im Staat, Jang Song Thaek. Kims Sohn soll seine Ausbildung in der Schweiz erhalten haben und Deutsch und Englisch sprechen. Nordkoreas Außenpolitik würde sich in diesem Fall kaum ändern. Auch die Aktienmarkt-Reaktion wäre voraussichtlich begrenzt.
Ungeordneter Übergang
Ein früher Tod oder eine Arbeitsunfähigkeit von Kim Jong Il würde den Übergang erschweren. Kim Jong Un und Jang Song Thaek könnten zeitweise gemeinsam die Staatsführung übernehmen. Eine schnelle Machtübernahme durch Kim Jong Un gilt wegen seiner Jugend, seiner Unerfahrenheit und seiner Unbekanntheit bei vielen Nordkoreanern als eher unwahrscheinlich. Die Machtelite, die der Wunsch nach dem Regimeerhalt eint, müsste den Übergang regeln. Ein plötzlicher Tod würde an den nordasiatischen Märkten voraussichtlich zu Kursverlusten führen. Das Ausland müsste erst einmal verstehen, wer den Staat und seine Atomanlagen lenkt.
Machtübernahme des Militärs
Ein plötzlicher Tod könnte auch zu einem Militärputsch führen. Die jüngsten Atom- und Raketentests sowie Drohungen deuten darauf hin, dass die Armee auch politisch Gewicht hat. Laut einem Bericht des in New York ansässigen Rates für Ausländische Beziehungen (Council on Foreign Relations) vom Januar sprechen dafür die unbestätigten Berichte über Anschlagsversuche auf Kim Jong Il und die Sicherheitsvorkehrungen, die der Machthaber bei Reisen durch sein Land trifft. An den Märkten würde ein Putsch vermutlich zu Kursverlusten führen, weil das Militär als wesentlicher Unterstützer des jüngsten Säbelrasselns gilt.
Zerfall des Staates
Eine langwierige Führungskrise und ein Kollaps der ohnehin schon schwachen Wirtschaft Nordkoreas könnte zu einem Zerfall des Staates führen. Millionen Nordkoreaner würden über die Grenzen nach Südkorea oder China flüchten. Südkoreas Wirtschaft erlitte einen heftigen Schaden, vermutlich gäbe es soziale Unruhen. Nach südkoreanischen Schätzungen würde ein Anschluss Nordkoreas an Südkorea mindestens eine Billion Dollar kosten. Der Markt in Seoul würde auf Talfahrt gehen. Viele Analysten rechnen jedoch nicht mit einem Zerfall Nordkoreas.
Dean Yates, rts
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