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Politik

Samstag, 10. Juli 2010

Illegale Spenden für Spitzenpolitiker: Weitere Zeugen belasten Sarkozy

In der verworrenen Affäre um die L'Oréal-Erbin Bettencourt vernehmen die Ermittler weitere Zeugen. Alle stützen die Aussage einer Buchhalterin, wonach Milliardärsfamilie Bettencourt konservativ-rechte Spitzenpolitiker jahrelang mit illegalen Spenden versorgt haben sollen. Der französische Präsident Sarkozy soll Nutznießer der Spendenpraktiken gewesen sein.
Sarkozy will sich am Montagabend zur den Vorwürfen äußern.

Sarkozy will sich am Montagabend zur den Vorwürfen äußern.
(Foto: AP)

In der Spendenaffäre um den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy haben mittlerweile drei Zeugen die belastenden Aussagen einer Buchhalterin gestützt. Nach Informationen der Pariser Tageszeitung "Le Parisien" vernahmen Ermittler seit Donnerstagabend insgesamt sechs ehemalige Mitarbeiter der Milliardärsfamilie Bettencourt. Drei von ihnen sollen wie die Ex-Buchhalterin der L'Oréal-Erben bestätigt haben, dass Umschläge mit Geld an Politiker übergeben wurden.

Die französische Staatsspitze wird seit Tagen von der Affäre erschüttert. Die 87-jährige L'Oréal-Erbin Bettencourt und ihr verstorbener Mann stehen unter Verdacht, konservativ-rechte Spitzenpolitiker jahrelang mit illegalen Spenden versorgt zu haben. In der Hochphase des Präsidentschaftswahlkampfes 2007 sollen unter anderem 150.000 Euro an den derzeitigen Arbeitsminister Eric Woerth übergeben worden sein. Er war damals für Sarkozys Wahlkampffinanzen zuständig.

Starker Interessenkonflikt

Bei einer Durchsuchung in Geschäftsräumen der Bettencourts beschlagnahmten Ermittler am Freitag auch die Personalakte von Woerths Frau Florence. Sie war nach Sarkozys Wahlsieg 2007 als Finanzexpertin für die Mitverwaltung des Familienvermögens angestellt worden. Nach Informationen des "Journal Du Dimanche" erhielt sie dafür ein Jahresgehalt von 140.000 Euro plus 40.000 Euro Prämien. Im Zuge der Schwarzgeldaffäre gab sie ihren Job jetzt auf.

Ihr Mann steht wegen des Verdachts des Interessenkonflikts unter Rücktrittsdruck. Eric Woerth war in seiner Zeit als Budgetminister (bis März 2010) auch für die Jagd auf Steuerhinterzieher zuständig. Angesichts von Enthüllungen über schwarze Konten im Hause Bettencourt wollen Kritiker nicht glauben, dass Woerth darüber nicht informiert war.

Sarkozy will am Montagabend im Fernsehen erstmals ausführlich Stellung nehmen. Woerth hat bereits vor einigen Tagen in einem Live-Interview in den Hauptnachrichten alle Vorwürfe bestritten.

dpa

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