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Auf den Philippinen wird Danica als siebenmilliardster Mensch gefeiert.
Auf den Philippinen wird Danica als siebenmilliardster Mensch gefeiert.(Foto: AP)

Es ist ein Mädchen: Welt über 7-Milliarden-Marke

Der siebenmilliardste Mensch heißt Danica May Camacho. Die Eltern freuen sich, doch das Überschreiten der Sieben-Milliarden-Marke löst Ängste aus: Wie sollen immer mehr Menschen ernährt werden? Schon heute leidet eine Milliarde Menschen ständig Hunger, während in den reichen Ländern Getreide an Vieh verfüttert und zu Sprit verarbeitet wird.

Auf den Philippinen ist symbolisch der siebenmilliardste Mensch der Welt begrüßt worden. In der Nacht von Sonntag auf Montag, zwei Minuten vor Mitternacht, erblickte die kleine Danica May Camacho im Kreissaal in einem Krankenhaus von Manila das Licht der Welt.

Anwesend waren neben dem Vater auch Journalisten und UN-Vertreter, die einen Kuchen mitbrachten. Von anderen Wohltätern erhielt das Kind ein Stipendium für ein späteres Studium. Die Eltern sollen finanzielle Unterstützung zum Aufbau eines Geschäfts bekommen.

In der Türkei ist Yusuf Efe Özkan der siebenmilliardste Mensch.
In der Türkei ist Yusuf Efe Özkan der siebenmilliardste Mensch.(Foto: AP)

"Sie sieht so süß aus", sagte die Mutter des Babys, Camille Dalura. "Ich kann gar nicht glauben, dass sie der siebenmilliardste Mensch der Welt ist." Auch der sechsmilliardste Mensch, die heute zwölfjährige Lorrize Mae Guevarra, nahm an dem Ereignis teil.

Die kleine Danica May ist nur eines von mehreren Babys, die symbolisch zum siebenmilliardsten Menschen erklärt werden - wie auch Lorrize Mae nicht der einzige sechsmilliardste Mensch ist. Vor zwölf Jahren hatten die Vereinten Nationen sich zwar für ein Kind entschieden - Adnan Mevic, der am 12. Oktober 1999 im bosnischen Sarajevo zur Welt kam. Doch wie beim Überschreiten der Sieben-Milliarden-Grenze auch wurden in verschiedenen Ländern weitere Jubiläumskinder gekürt.

Jährlich kommen 80 Millionen dazu

Familie Mevic lebt heute in Armut; auch darum soll es kein offizielles UN-Kind geben. Stattdessen haben die UN eine Internetseite mit einem Countdown eingerichtet, der nach Überschreiten der Sieben-Milliarden-Marke weiterläuft.

Den UN ist sehr bewusst, dass das Bevölkerungswachstum nicht unproblematisch ist: Derzeit wächst die Erde jährlich um 80 Millionen Menschen - das entspricht der Einwohnerzahl des Landes mit dem Rang 16 in der Bevölkerungsstatistik: Deutschland. In der Bundesrepublik selbst nimmt die Zahl der Einwohner aber weiter ab; in den nächsten 50 Jahren soll Deutschland mehr als ein Fünftel verlieren.

Andere Länder wachsen rasant, vor allem in Afrika, aber zum Beispiel auch Afghanistan und der Irak. Und Indien soll in gut zehn Jahren den anderen Menschenmilliardär, China, überholen und dann das bevölkerungsreichste Land sein.

"Das Problem ist die Gerechtigkeit"

Ein Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) beschreibt die Probleme, die die wachsende Zahl von Menschen in vielen Ländern mit sich bringt: Jugendarbeitslosigkeit und Hunger in armen Ländern, die Organisation von Megastädten wie Tokio, alternde Bevölkerungen in Europa. "Das Problem ist nicht der Platz", sagt UNFPA-Direktor Babatunde Osotimehin. Das Problem seien Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Denn eines ist klar: Würden alle Menschen so leben wie etwa die Deutschen - so viel essen, so viel verbrauchen, so viel verschmutzen -, dann wäre auf der Erde für sieben Milliarden Menschen kein Platz.

"Die Menschheit hat das Problem bisher besser gemanagt, als viele früher dachten", sagt John Bongaarts von der New Yorker Denkfabrik Population Council. Denn noch vor 30 Jahren gingen viele bei sieben Milliarden Menschen vom sicheren Kollaps der Erde aus. "Aber trotzdem gibt es klare Zeichen, dass die Umwelt mit der jetzigen Einwohnerzahl überlastet ist", so der Forscher. "Wir könnten noch mehr Menschen ernähren, aber nur, wenn wir noch mehr Natur verbrauchen. Und das würde zwangsläufig in den Untergang führen."

"Das Getreide ist da"

Dagegen glaubt Joel E. Cohen, Professor der New Yorker Rockefeller-Universität, dass der Planet seine Kinder eigentlich ernähren kann. "Wir könnten sogar neun, zehn, elf Milliarden Menschen satt machen. Das Getreide ist da, schon heute", sagt der. Aber: "Nur 46 Prozent wird gegessen. 34 Prozent wird an Tiere verfüttert, der Rest ist Biosprit und Schmierstoff." Eine Milliarde Menschen habe ständig Hunger. "Kein Wunder, wenn wir mehr als die Hälfte unserer Nahrungsmittel lieber an Vieh und Maschinen als an Menschen verfüttern."

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagt, das siebenmilliardste Baby komme in eine "Welt der Widersprüche" - vor allem dann, wenn es auf der falschen Seite der Armutsgrenze geboren werde. Es gebe ausreichend Nahrung auf der Welt, doch eine Milliarde Menschen leide Hunger. "Viele Menschen genießen luxuriöse Lebensstile", sagte er der Zeitschrift "Time", "aber noch immer leiden viele Menschen an Armut."

"Alles, was ihr auch wollt"

Vor Schülern in New York sagte Ban in der vergangenen Woche, es gehe nicht um Zahlen, sondern um Menschen. "Sieben Milliarden Menschen, die genug zu essen brauchen. Genug Energie. Gute Chancen auf Jobs und Ausbildung. Rechte und Freiheiten. Redefreiheit. Die Freiheit, die eigenen Kinder in Frieden und Sicherheit aufwachsen zu sehen. Alles, was ihr auch wollt - sieben Milliarden Mal."

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Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in 14 Jahren die achte Milliarde registriert wird und 2050 etwa 9,2 Milliarden Menschen auf der Welt leben werden. Etwas später soll die Weltbevölkerung zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Menschheit schrumpfen.

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Quelle: n-tv.de

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