Donnerstag, 23. Juli 2009
Morde in Russland: Wieder toter Menschenrechtler
Die Trauer um Natalja Estermirowa ist noch frisch, da wird die nächste Leiche eines Menschenrechtlers entdeckt.
(Foto: dpa)
Eine Woche nach der Ermordung der Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa sorgt in Russland der Tod eines weiteren Menschenrechtsaktivisten für Aufsehen. In der Teilrepublik Karelien an der Grenze zu Finnland wurde der Leiter der örtlichen Organisation "Gerechtigkeit", Andrej Kulagin, tot aufgefunden.
Kollegen vermuteten, dass Kulagin im Zusammenhang mit seinem Einsatz für einen humaneren Strafvollzug ermordet wurde, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete. Die Polizei bestätigte zunächst nur den Tod Kulagins, der bereits am 10. Juli in einer Sandgrube bei der Stadt Petrosawodsk gefunden worden sei.
Kulagin war seit dem 14. Mai vermisst worden. Er habe damals am späten Abend sein Haus verlassen, um sich zu einem telefonisch vereinbarten Treffen zu begeben, meldete die Agentur Ria Nowosti. Ein Taxifahrer sagte später aus, er habe Kulagin zu einem Café gebracht.
Polizei weiß nichts von seiner Arbeit
Die Organisation "Gerechtigkeit" informierte erst knapp zwei Wochen nach dem Fund der Leiche die Öffentlichkeit über den Tod Kulagins. Der Grund für diese Verzögerung blieb zunächst unklar. Die Polizei teilte mit, ihr sei nichts bekannt von einer Arbeit des Opfers als Menschenrechtler. Nach ihren Erkenntnissen sei Kulagin vorbestraft gewesen, unter anderem wegen Rowdytums. Eine andere Menschenrechtsorganisation in Petrosawodsk bezeichnete Kulagin nach Angaben der Agentur Interfax als Unternehmer, der einen humanen Strafvollzug unterstützt habe.
Die Ermordung der Menschenrechtlerin Estemirowa Mitte Juli hatte in Russland wie im Ausland Bestürzung ausgelöst. Estemirowa hatte ebenso wie die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja Verbrechen an tschetschenischen Zivilisten aufgedeckt. Regierungskritiker befürchten, dass im Fall Estemirowa die Auftraggeber und Täter ebenso unbehelligt bleiben wie nach anderen Morden an Menschenrechtsaktivisten in Russland.
dpa
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