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Flüchtlinge vor der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin
Flüchtlinge vor der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin(Foto: picture alliance / dpa)

Goslars Bürgermeister hat eine Idee: "Wir brauchen mehr Flüchtlinge in Goslar"

Viele Städte klagen über den nicht zu bewältigenden Zuzug von Flüchtlingen. Oliver Junk, CDU-Oberbürgermeister in Goslar, klagt nicht. Ganz im Gegenteil: Er bietet benachbarten Städten wie Hannover und Göttingen sogar Hilfe an und sagt: In Goslar sind Flüchtlinge willkommen.

n-tv.de: Einwohner in deutschen Städten wie Berlin oder Dortmund  klagen über zu viele Flüchtlinge. Sie wollen mehr Flüchtlinge nach Goslar holen. Warum?

Oliver Junk ist seit 2011 Oberbürgermeister der Stadt Goslar. Er ist 38 Jahre alt.
Oliver Junk ist seit 2011 Oberbürgermeister der Stadt Goslar. Er ist 38 Jahre alt.(Foto: picture alliance / dpa)

Oliver Junk: In Deutschland verteilen wir Flüchtlinge nicht intelligent und verhindern dadurch eine vernünftige Integration. Städte wie Dortmund, Berlin oder Göttingen bauen Container-Dörfer, Zeltstädte und räumen Schulen leer. Da werden Ghettos gebildet, weil man die Menschen sonst nicht unterbringen kann.

Stattdessen sollen die Flüchtlinge dann künftig nach Goslar kommen?

Eine Umverteilung wäre sinnvoll. Wenn unsere Kollegen etwa in Göttingen oder Hannover nicht mehr weiter wissen, müssen wir darüber reden, wie man Flüchtlinge bei uns in Goslar unterbringen kann. Hier gibt es genug leer stehende Wohnungen. Und die Flüchtlinge, die herkommen, zum Beispiel aus Syrien oder dem Irak, sind ja nicht nach einem Jahr wieder weg. Hier müssen wir schon bei der Verteilung auf größtmögliche Integrationsmöglichkeiten setzen.

Haben Sie keine Sorge, dass künftig Städte aus dem ganzen Bundesgebiet ihre Flüchtlinge nach Goslar schicken wollen?

Das Thema ist nicht sehr beliebt bei deutschen Bürgermeistern. Wir müssen uns mit dem niedersächsischen Innenministerium zusammensetzen und überlegen, wie sich das verwirklichen ließe und wie man die Finanzströme verändern könnte. Unsere Kommune ist nicht besonders reich und kann natürlich nicht die finanziellen Lasten anderer Städte übernehmen. Aber hier kann es sicher intelligente Lösungen geben.

Ist Goslar auf einen Zuzug von mehr Flüchtlingen vorbereitet?

Der Landkreis nimmt zurzeit 300 Flüchtlinge im Jahr auf. Wenn es 2015 doppelt so viele wären, bräuchten wir mehr Geld, um uns darauf vorzubereiten. Wir bräuchten mehr Lehrer und mehr Integrationsbeauftragte. Ohne die geht es nicht.

Was versprechen Sie sich in Goslar von der Flüchtlings-Offensive?

Vor allem, dass wir Flüchtlinge in Deutschland besser integrieren. Als Region mit sinkenden Einwohnerzahlen sind wir auf Zuzug angewiesen. Wir brauchen Bürger, damit unsere Kommunen und unsere Wirtschaft weiter funktionieren, damit wir Schulen, Schwimmbäder und unsere kommunale Infrastruktur erhalten können. Goslar ist die wirtschaftsstärkste Stadt im Harz, das wollen wir aber auch in zehn Jahren noch sagen können. Viele Unternehmer sagen zu mir: Wir brauchen mehr Mitarbeiter und Fachkräfte. Deshalb sage ich: Wir brauchen mehr Flüchtlinge in Goslar.

Wie waren die Reaktionen auf Ihren Vorstoß?

Sehr gemischt. Manche sehen darin eine gute Idee und eine große Chance für Goslar, andere sagen offen: "Treten Sie mal besser zurück."

Mit Oliver Junk sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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