Donnerstag, 25. Juni 2009
Aufruf zum Anzeigenboykott: Zeitung verklagt Berlusconi
Der Verlag der italienischen Zeitung "La Repubblica" prüft rechtliche Schritte gegen Ministerpräsident Berlusconi. Grund ist der Aufruf Berlusconis an Unternehmer, keine Anzeigen mehr in dem linksliberalen Blatt zu schalten.
In seinem Amt als Ministerpräsident ist Berlusconi dank eines neuen Gesetzes vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt.
(Foto: dpa)
Der Ärger für Silvio Berlusconi nimmt kein Ende: Die Verlagsgruppe "L'Espresso" will den italienischen Ministerpräsidenten verklagen. Grund für die rechtlichen Schritte sei die wiederholte Aufforderung des Medienmoguls an italienische Unternehmer, Zeitungen der "Espresso"-Gruppe zu boykottieren und seine Anschuldigungen gegen die zur Gruppe gehörende römische Tageszeitung "La Repubblica", ein Komplott gegen ihn geschmiedet zu haben, zitierten italienische Medien den Verlag.
"Masochist ist, wer in solchen Medien Werbung inseriert. Die werden durch das ganze "Über-die-Krise-reden" doch selbst zum Krisenfaktor", hatte der Ministerpräsident am Vortag in Ligurien bei der Versammlung der italienischen Jungunternehmer gegen die Presse gepoltert. Außerdem würden Zeitungen wie "La Repubblica" durch die "linke Hasskampagne", die sie gegen ihn betrieben, "Italien nur schaden".
Junge Callgirls auf Berlusconis Festen
Tatsächlich war der "Cavaliere" wegen seiner amourösen Affären immer wieder in die Schlagzeilen geraten, seitdem seine entnervte Noch-Ehefrau Veronica Lario (52) Anfang Mai über "La Repubblica" öffentlich ihre Scheidung einreichte - unter anderem mit dem Argument: "Ich kann nicht mit jemand leben, der sich mit Minderjährigen trifft."
Alles begann mit den Europawahlen, für die der 72-Jährige für seine Partei junge Show-Girls aufstellen wollte. "Luder der Macht", protestierte die "First Lady" damals. Hinzu kam das unklare Verhältnis Berlusconis zu der heute 18-jährigen Schülerin Noemi aus Neapel. Schließlich soll er junge Callgirls zu seinen Festen nach Sardinien und Rom eingeladen haben.
Noch immer offene Fragen
Wiederholt veröffentlichte "La Repubblica" seit Mai einen Katalog von zehn Fragen an den Ministerpräsidenten zum "Fall Noemi", die Berlusconi bis heute nicht beantwortete. Auch die Anschuldigung Larios, der 72-Jährige treffe Minderjährige, konnte der Ministerpräsident bisher nicht eindeutig aufklären.
Im Gegenteil: Erst kürzlich hatte er Hunderte von Fotos des sardischen Paparazzo Antonello Zappadu beschlagnahmen lassen, weil er dadurch seine Privatsphäre verletzt sah. Darunter sollen unter anderem Schnappschüsse von einer Party sein, zu der auch die damals 17-jährige Schülerin Noemi Letizia eingeladen gewesen war. Ein Teil der Fotos wurden inzwischen im Ausland veröffentlicht. Berlusconi schwört indes weiterhin bei seiner Karriere, niemals ein Verhältnis mit Minderjährigen gehabt zu haben.
AFP
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