Mittwoch, 10. September 2008
Deutschland gegen den Trend: Zu wenig Einwanderung
Deutschland braucht künftig mehr Zuwanderer, um seinen Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Sollte der Zuzug von Ausländern auf dem Niveau der vergangenen Jahre verharren, werde die Zahl der Erwerbsfähigen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 2,5 Prozent schrumpfen. Ohne Migration drohe sogar ein Rückgang um sechs Prozent, heißt es in einer Untersuchung, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorstellte.
Allerdings nimmt die Zahl der Ausländer, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen, der Studie zufolge ab. Während die Zahl der Einwanderer im gesamten OECD-Raum 2006 um rund fünf Prozent anstieg, lag sie in Deutschland um elf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die in Deutschland vergleichsweise hohe Zahl an Saisonarbeitskräften werde den künftigen Bedarf in Bereichen wie der Altenpflege nicht decken können, prognostizierten die Experten.
In der OECD sind 30 Industriestaaten zusammengeschlossen. Wenn die Einwanderungspolitik dieser Länder nicht kurzfristig und impulsiv, sondern überlegt gesteuert werde, könne sie Probleme wie den demografischen Wandel lösen helfen, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurra. Neben Spitzenkräften sollten auch weniger qualifizierte Einwanderer dauerhaft angeworben werden.
GEW: Ausländische Abschlüsse anerkennen
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine "fremdenfreundliche Einwanderungspolitik" in Deutschland. Die Zulassung doppelter Staatsangehörigkeiten und die unbürokratische Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse seien "längst überfälligen Signale", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer.
Auch die OECD sieht in Deutschland noch Nachholbedarf bei der Anerkennung ausländischer Diplome und Qualifizierungen. "Da ist noch viel zu tun", sagte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Betroffen seien vor allem Zuwanderer aus Osteuropa. Dabei gehe es nicht nur um die Anerkennung ausländischer Studiendiplome, sondern auch um Abschlüsse im technischen Bereich. Diese könne man durch praktische Prüfungen anerkennen, empfahl Liebig.
Erst am Vortag war bekanntgeworden, dass Deutschland auch bei der Ausbildung hoch qualifizierter Fachkräfte im internationalen Vergleich zurückgefallen ist. Nach dem jüngsten OECD-Bildungsbericht fehlen vor allem Jung-Akademiker mit technischem oder naturwissenschaftlichem Hochschulabschluss.
Ähnliche Zahlen veröffentlichte am Mittwoch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Danach machten 2006 nur 21 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland ihren ersten Hochschulabschluss, während der OECD-Durchschnitt bei 37 Prozent lag. Überdurchschnittlich hoch seien in Deutschland allerdings die Zahl der Promotionen sowie der Frauen-Anteil bei den Hochschulabschlüssen in Mathematik und Informatik.
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