Sonntag, 13. Juni 2010
Anschlag in Nordafghanistan: Zwei Bundeswehrsoldaten verletzt
Bei einem Anschlag auf einen Konvoi der Bundeswehr in Afghanistan werden zwei Soldaten verletzt, einer davon schwer. Die Taliban bekennen sich zu dem Anschlag. Der afghanische Präsident Karsai bittet die Bevölkerung von Kandahar im Kampf gegen die Rebellen um Hilfe.Bei einem Anschlag auf einen Bundeswehr-Konvoi im Norden Afghanistans sind zwei deutsche Soldaten verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der Anschlag mit einem versteckten Sprengsatz habe sich etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Kundus ereignet, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam.
Bei dem Anschlag am Vormittag sei ein gepanzertes Bundeswehrfahrzeug beschädigt worden, sagte der Sprecher. Der schwer verletzte Soldat wurde im Rettungszentrum des Feldlagers von Kundus versorgt, weitere Angaben zu seinem Zustand machte die Bundeswehr zunächst nicht.
Bei Anschlägen waren am Samstag in verschiedenen Teilen des Landes bereits drei NATO-Soldaten getötet worden, unter ihnen ein Pole und ein Brite. In nur einer Woche starben damit 30 Soldaten der internationalen Truppen. Bei zwei Anschlägen in der südlichen Unruheprovinz Kandahar wurden sechs afghanische Polizisten getötet.
Karsai bittet Bevölkerung um Hilfe
Bei einem gemeinsamen Besuch mit ISAF-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal in der Stadt Kandahar wandte sich der afghanische Präsident Hamid Karsai an hunderte Stammesvertreter und Bürger, um zum Kampf gegen die Taliban aufzurufen. "Momentan ist das Leben in Kandahar ein sehr schlechtes Leben, wir können aber schrittweise Fortschritte erzielen", sagte Karsai. "Ich muss die Säuberungsaktion gegen den Feind beginnen. Wir brauchen Ihre Hilfe und Unterstützung."
Die Provinz Kandahar und vor allem ihre gleichnamige Hauptstadt sind Hochburgen der Taliban, dort gibt es immer wieder blutige Anschläge. Am Mittwoch tötete ein Selbstmordattentäter in der Provinz 50 Gäste einer Hochzeitsgesellschaft.
Die NATO und afghanische Truppen befinden sich in der Region seit Wochen in der ersten Phase einer nach ihren Angaben entscheidenden Offensive gegen die Aufständischen, die im Sommer ihren Höhepunkt erreichen sollte. Am Donnerstag räumte McChrystal aber ein, die Offensive verlaufe langsamer als geplant. In einigen Bezirken könnte sie sich US-Angaben zufolge um zwei bis drei Monate verzögern.
Pakistan unterstützt Taliban
Nach einer Untersuchung der London School of Economics unterstützt der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban in Afghanistan in weit größerem Umfang als bisher bekannt. Der Geheimdienst ISI lasse den Aufständischen Geld, Waffen sowie Ausbildung zukommen und gewähre den Taliban Schutz. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.
Einem Bericht der "New York Times" zufolge konzentrieren sich die US-Militärgeheimdienste bei ihrer Arbeit in Afghanistan zunehmend auf die Korruption in dem Land. Weil die Bevölkerung davon überzeugt werden müsse, die Regierung in Kabul und nicht die Taliban zu unterstützen, sei die Korruptionsbekämpfung genauso wichtig wie der Kampf gegen Aufständische, berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Offiziere. Der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International zufolge herrscht weltweit nur in Somalia mehr Korruption als in Afghanistan.
AFP
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