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Ekelfleisch-Coup"Beweismittel" verkauft

13.09.2006, 17:30 Uhr

Ein einschlägig vorbestrafter Fleischgroßhändler fährt vor einem Hamburger Kühlhaus vor, lädt acht Tonnen als Beweismaterial sichergestelltes Ekelfleisch ein und verkauft das Zeug an Großküchen.

Es klingt unglaublich: Ein einschlägig vorbestrafter und mit Berufsverbot belegter Fleischgroßhändler aus Niedersachsen fährt vor einem Hamburger Kühlhaus vor, lädt acht Tonnen als Beweismaterial sichergestelltes Ekelfleisch ein, lagert die Ware in Brandenburg und verkauft sie von dort aus an Großküchen in mehrere Bundesländer. So zumindest stellt sich der Fall für die Ermittler dar.

"Die Tat ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten", heißt es bei der Oldenburger Staatsanwaltschaft, die dem Unverbesserlichen auf die Schliche kam, als sie wegen des Verdachts der Konkursverschleppung gegen ihn ermittelte. Seit Dienstag sitzt der 46-Jährige in Untersuchungshaft - "Wiederholungsgefahr".

Schon im November 2005 war der Händler bundesweit in die Schlagzeilen geraten. In Kühlhäusern wurden damals rund 200 Tonnen unsachgemäß aufgetautes Fleisch entdeckt. Ein Gerichtsverfahren gegen den Mann platzte im August, da ein Verteidiger im Urlaub war. Ein neuer Prozess ist noch nicht terminiert.

Damals sichergestellte verdorbene Ware fand aber doch noch Abnehmer, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. "Der ist nach Hamburg gefahren und hat behauptet, die Staatsanwaltschaft brauche das Fleisch nicht mehr als Beweismittel." Nachfragen in dem privat geführten Kühlhaus gab es nicht. "Er muss sehr überzeugend gewesen sein." Ob gegen den Betreiber des Hamburger Betriebes ermittelt wird und wann genau das Ganovenstück stattfand, verrieten die Ankläger nicht.

Die Ware wurde dann in Brandenburg zwischengelagert. "Das Fleisch hat er von zu Hause aus via Telefon verkauft", berichtet ein Staatsanwalt. "Es ist in vier Großküchen gelandet und dort nicht mehr vorhanden, deswegen steht zu befürchten, dass es bereits gegessen wurde." In welchen Bundesländern diese insgesamt acht Tonnen Fleisch auf die Teller der Verbraucher gelangten, wollten die Ermittler nicht sagen. Die zuständigen Behörden der Länder seien informiert worden.

Oliver Pietschmann (dpa)