Politik

Porträts: Die Sauerland-Zelle

Am Mittwoch hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen vier mutmaßliche Islamisten der sogenannten Sauerland-Zelle begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern im Alter zwischen 23 und 30 Jahren vor, sie hätten zahlreiche Menschen mit Autobomben-Attentaten "vernichten" wollen.

(Foto: dpa)

Fritz Gelowicz gilt als mutmaßlicher Rädelsführer. Der Deutsche wurde 1979 als Sohn einer Ärztin und eines Unternehmers geboren. Nach der Scheidung der Eltern soll er mit seinem Bruder beim Vater aufgewachsen sein. Zunächst war er ein sportlicher Realschüler in Ulm, dem Alkohol nicht abgeneigt. Als Jugendlicher kommt der Bruch: Er wird Muslim, trinkt keinen Alkohol mehr und hört auf zu rauchen. In Neu-Ulm, wo er Wirtschaftsingenieurwesen studiert, besucht er die Moschee im Multi-Kultur-Haus, damals Zentrum der dortigen Islamistenszene. 2006 soll er ein terroristisches Ausbildungslager in Pakistan besucht haben.

Daniel Schneider wurde 1985 im saarländischen Neunkirchen geboren. Nach der Scheidung der Eltern lebte der getaufte Katholik beim Vater, einem Bankangestellten. Die Mutter durfte er angeblich zunächst nicht mehr sehen. In der Schule bekommt er gute Noten, seine Mitschüler erleben ihn als sportlichen und fröhlichen Kumpel.

Ein Jahr vor dem Abitur verlässt er das Gymnasium. Mit 19 Jahren konvertiert er zum Islam. Er zieht in die Omar-Moschee im saarländischen Herrensohr, darf sogar zum Gebet rufen. Auch er soll im Terrorlager gewesen sein. Seinem jüngeren Bruder soll er laut Medienberichten mit der Ermordung gedroht haben, weil dieser den Propheten Mohammed kritisierte.

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Adem Yilmaz ist im hessischen Langen aufgewachsen und heute 30 Jahre alt. Der Türke soll bei der Bahn und auf dem Frankfurter Flughafen gearbeitet haben. Mit seinem Bruder betrieb er in seinem Wohnort angeblich einen Islamisten-Treff, bei dem wahrscheinlich auch Anschläge geplant worden sein sollen.

Mehrere Islamisten, die später Anschläge verübten oder als mutmaßliche Terroristen verhaftet wurden, sollen bei den Treffen in der Gartenlaube dabei gewesen sein. Medienberichten zufolge hat Yilmaz mehrere junge Männer in Terrorlager nach Pakistan vermittelt. Schneider und Gelowicz soll er in einem Ausbildungslager getroffen haben.

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Atilla Selek ist türkischstämmiger Deutscher und wurde in Ulm geboren. Er soll eine Ausbildung als Autolackierer gemacht und später Gebrauchtwagen verkauft haben.

Der 24-Jährige gilt als langjähriger Freund von Daniel Schneider. Für die geplanten Anschläge der Sauerland-Gruppe soll er in der türkischen Metropole Istanbul mehrere Zünder besorgt haben. Angeblich hat er 20 von ihnen in seinen Schuhen versteckt nach Deutschland geschmuggelt.

Quelle: n-tv.de