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Kommentar von Ulrich W. SahmDummheit oder Absicht?

21.10.2005, 16:55 Uhr

Bill Gates sei es gedankt, dass man mit einem einfachen Knopfdruck sehen kann, wer was wann bei einer Word-Datei geändert hat.

Bill Gates sei es gedankt, dass man mit einem einfachen Knopfdruck sehen kann, wer was wann in einer Word-Datei geändert hat. Peinlich nur, wenn eine Datei herumgeschickt wird, bei der die Streichungen geheim bleiben sollten - wie im Falle des Mehlis-Reports über den Mord an Rafik Hariri im Libanon. Der Bruder und der Schwager des syrischen Präsidenten Bashar el Assad wurden nach Aussage des deutschen Ermittlers Detlev Mehlis "nur von Zeugen genannt". Als Mehlis angeblich erst gestern erfuhr, was alle Welt schon Tage zuvor wusste - nämlich dass sein inkriminierender Bericht veröffentlicht werden soll, beschloss er selber, "ohne Einfluss von außen", die Spitzennamen der syrischen Regierung und der Familie des Präsidenten zu streichen.

Doch ob nun Mehlis die Streichung auf die eigene Kappe nimmt, oder ob er dazu von Generalsekretär Kofi Annan aufgefordert worden ist, hat eigentlich nur eine nebensächliche Bedeutung. Es stellt sich doch vielmehr die Frage, wieso die Namen, die keiner sehen sollte, dank Knopfdruck für jedermann erkenntlich, sogar rot unterstrichen, sichtbar gemacht werden können. War es die Dummheit einer Sekretärin, oder etwa spitzfindige diplomatische Taktik, den Report als Word-Datei herauszugeben, ohne per Knopfdruck vorher alle Änderungen unkenntlich zu machen? Wer Namen schwärzen will, nimmt schließlich keinen gelben Filzstift, mit dem Andere Hervorhebungen machen.

Mehlis, Kofi Annan und möglicherweise einer unbedarften Sekretärin möge verziehen werden, dass ihnen zum Dank nun alle Welt über den Schwager und den Bruder des syrischen Präsidenten Bashar el Assad als mutmaßliche Mittäter oder Drahtzieher des Mordes an Rafik Hariri redet. Immerhin hat dieser Mord schon zu einem überstürzten Rückzug der Syrer aus Libanon geführt. Jetzt könnte es passieren, dass erstmals die Technik des Bill Gates zum Sturz einer Regierung führt.

Ulrich W. Sahm, Jerusalem